Zeitungsbericht

Hohe Strompreise verhindern offenbar Schaffung von Arbeitsplätzen

Wegen der hohen Strompreise in Deutschland steht in der Chemieindustrie eine Milliardeninvestition auf der Kippe. "Unsere Vorhaben sind nur realisierbar, wenn die Strompreise im nächsten halben Jahr deutlich sinken", sagte Hans-Peter Kramer, Geschäftsführer eines Chemieunternehmens, dem "Tagesspiegel am Sonntag".

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Die hohen Strompreise in Deutschland verhindern offenbar Investitionen in der Wirtschaft und damit die Schaffung von Arbeitsplätzen. Wie der "Tagesspiegel am Sonntag" berichtete, gefährden die hohen Kosten derzeit Milliardeninvestitionen in der Chemie- und Papierindustrie.

In Wilhelmshaven stehe der Ausbau des britischen Chemieunternehmens Ineos Chlor Atlantik für knapp eine Milliarde Euro auf der Kippe. "Unsere Vorhaben sind nur realisierbar, wenn die Strompreise im nächsten halben Jahr deutlich sinken", sagte Geschäftsführer Hans-Peter Kramer. "Daran hängen 300 direkte und 1000 indirekte Arbeitsplätze", fügte er hinzu.

Auch der norwegische Papierhersteller Norske Skog sieht sein Engagement dem Bericht zufolge in Deutschland gefährdet. "Bleiben die Energiepreise dauerhaft auf dem derzeitigen Niveau, hat unser Werk in Walsum keine Perspektive", sagte Martin Schröder, der bei dem Unternehmen für die Energiebeschaffung zuständig ist. In dem nordrhein-westfälischen Werk seien knapp 600 Mitarbeiter beschäftigt.

Erst vor Kurzem habe die Aluminiumindustrie wegen der hohen Strompreise mit Konsequenzen gedroht. So will der norwegische Konzern Norsk Hydro seine Hütte im norddeutschen Stade und Teile der Hamburger Aluminium-Werke (HAW) schließen. Auch der britisch-niederländische Aluminiumhersteller Corus erwägt wegen der Energiepreise einen Rückzug aus Deutschland.

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