IAEA

Hohe Sicherheit: Gute Noten für AKW Neckarwestheim

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat dem baden-württembergischen Kernkraftwerk Neckarwestheim ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt. Das 33 Jahre alte Atomkraftwerk sei "nach internationalen Maßstäben eine sehr gute Anlage", die viele Merkmale einer starken Sicherheitskultur aufweise, sagte der IAEA-Verantwortliche Miroslav Lipar am Donnerstag in Karlsruhe.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Karlsruhe/Neckarwestheim (ddp/red) - Der Umgang mit Hinweisen der IAEA sei "exzellent", betonte Lipar bei der Vorstellung der abschließenden Ergebnisse einer Bewertung des AKW durch die Atomenergiebehörde. Das Niveau, auf dem in Neckarwestheim mit der betrieblichen Sicherheit umgegangen werde, sei "eines der höchsten in der Welt". Beim Kraftwerksbetreiber EnBW gebe es "eine großartige Sicherheitskultur".

Der Technische Geschäftsführer des AKW Neckarwestheim, Jörg Michels, sprach von einem "hervorragenden Ergebnis". EnBW-Technikvorstand Hans-Josef Zimmer sagte, er hoffe, dass das Ergebnis "zur Versachlichung der aktuellen Diskussion um die Kernenergie beiträgt". Zimmer betonte: "Wir stehen zu unseren Kernkraftwerken, wir wollen sie weiterbetreiben." Die Kernkraft sei aus Sicht von EnBW "noch lange Zeit unerlässlich". Die EnBW sei mit ihren Atomkraftwerken "auf einem guten Kurs".

Verbesserungen durchgeführt

Das Kernkraftwerk Neckarwestheim erreichte damit ebenso gute Ergebnisse wie das AKW Philippsburg, das 2004 und 2006 von den Experten der IAEA bewertet worden war. In Neckarwestheim gab es zwei aufeinanderfolgende Bewertungen vor Ort in den Jahren 2007 und 2009. Die in der Zwischenzeit umgesetzten "Hauptverbesserungen" lägen bei der Arbeitssicherheit, dem Anlagenbetrieb, der Betriebsdokumentation und der "Kontaminationskontrolle".

Keine Laufzeitverlängerung für Neckerwestheim

Der Reaktor Neckarwestheim I war 1976 in Betrieb genommen worden und ist der zweitälteste der derzeit 17 produzierenden Atommeiler in Deutschland. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) lehnte im Juni 2008 die vom Kraftwerksbetreiber EnBW beantragte Laufzeitverlängerung für den Reaktor "aus Sicherheitsgründen" ab. Ziel des Energiekonzerns war eine Verlängerung der Laufzeit von Neckarwestheim I bis 2017, wobei Strommengen vom jüngeren Reaktor Neckarwestheim II auf den älteren Block I übertragen werden sollten. Eine verwaltungsgerichtliche Klage der EnBW gegen Gabriels Entscheidung ist derzeit in Mannheim anhängig.

Michels sagte auf die Frage nach einer Abschaltung des AKW Neckarwestheim, es gebe im Atomgesetz kein definiertes Abschaltdatum. "Bis Frühjahr 2010 reichen die heutigen Reststrommengen aus", betonte er.

Grüne vermissen Schutz vor Terrorangriffen

Die umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Sylvia Kotting-Uhl, gab zu bedenken: "Der Bericht der IAEA kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Neckarwestheim I zusammen mit Brunsbüttel und Biblis die Pannenliste der deutschen Atomkraftwerke anführt." Auch ändere die Bewertung der IAEA nichts an der Tatsache, dass das AKW Neckarwestheim nicht ausreichend gegen Terrorangriffe geschützt sei. "Für wirkliche Sicherheit muss der Reaktor stillgelegt werden. Lieber heute als morgen", betonte Kotting-Uhl.

Das AKW Neckarwestheim war zuletzt wegen angeblicher Lücken in der Zugangssicherung in die Schlagzeilen geraten. Die Sichtung von vermeintlichem Film-Beweismaterial bewies nach Einschätzung des baden-württembergischen Umweltministeriums die Anschuldigungen jedoch nicht.

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