Keine Versorgungsgefahr

Hitzeperiode treibt Stromverbrauch nach oben

Die Hitzewelle führt auch in der deutschen Stromwirtschaft zu Beeinträchtigungen: Die Leistung von Kraftwerken muss gedrosselt werden, die Strompreise an der EEX schnellen in die Höhe, Verbraucher sollen Energie einsparen. Dennoch sind Zustände wie etwa in Italien nicht zu befürchten, versichern die Energieversorger.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Die augenblickliche Hitzeperiode in der Bundesrepublik wirkt sich mittlerweile auch auf die Stromerzeugung aus: Insbesondere die niedrigen Wasserstände in zahlreichen Flüssen Deutschlands sowie die erhöhten Gewässertemperaturen führen zu Einschränkungen bei der Stromproduktion.

Kraftwerke fahren Produktion herunter

Wie die EnBW Energie Baden-Württemberg AG etwa mitteilte, müssen durch den Wassermangel die meisten Kraftwerke die Produktion herunterfahren. Grund: Das Flusswasser wird zur Kühlung in Kraftwerken benötigt. Ist die Gewässertemperatur überdurchschnittlich hoch, ist zum einen der Kühleffekt nicht mehr gegeben, zum anderen kann die Vorschrift, wonach das Flusswasser durch das zurückgeleitete Kühlwasser auf nicht mehr als 30 Grad Celsius erwärmt werden darf, nicht eingehalten werden. Im Falle der Nichtbeachtung wären kollabierende Ökosysteme die Folge.

Nicht zuletzt steht aufgrund der niedrigen Wasserpegel schlichtweg weniger Laufwasser zur Verfügung, wie eine Sprecherin der Leipziger Strombörse European Energy Exchange (EEX) gegenüber der "Tagesschau" sagte - ein Grund mehr, warum die Kraftwerke dieser Tage weniger produzieren können. Last but not least führten auch die geringen Luftbewegungen zu Ausfällen bei der Stromgewinnung aus Windkraft.

Die schleswig-holsteinischen Kraftwerke Krümmel bei Geesthacht und Brunsbüttel fahren nur noch mit 60 beziehungsweise 86 Prozent ihrer normalen Leistung; auch die Kraftwerke in Philippsburg und Neckarwestheim mussten ihre Leistung reduzieren. Nach Angaben seines Betreibers E.ON wurde das niedersächsische AKW Unterweser bis auf Halblast gedrosselt; das Atomkraftwerk in Obrigheim wurde wegen der ungewohnten Hitze gar vollständig abgeschaltet.

Keine italienischen Krisenzustände

Ungeachtet dessen stellte Dr. Kurt Hunsänger, Vorstand der Energieversorgung Offenbach AG, klar, dass sowohl die Strom- als auch die Wasserversorgung gesichert seien. Zustände wie in Italien, wo die Hitze zu einer handfesten Krise mit drastischer Strom-Rationierung geführt hat, werde es in Deutschland nicht geben, so Hunsänger.

Gerade wegen des überdurchschnittlich hohen Stromverbrauchs während der anhaltenden Hitzeperiode ruft unter anderem die EnBW die Bevölkerung dazu auf, sparsam mit Strom umzugehen, um die Stromnetze nicht unnötig zu belasten. Das Strom-Dilemma macht sich zudem mittlerweile auch bei den Preisen bemerkbar: Der Durchschnittspreis im Tageshandel an der EEX lag am Donnerstag vergangener Woche bei 73 Euro pro Megawattstunde - das Doppelte des Vortags.

Appell an Verbraucher:Geräte abschalten, Stromverbrauch senken

Laut der EnBW sei zum Beispiel der Dauerbetrieb von Klimaanlagen und Ventilatoren meist nicht nötig, auch Computer und Fernsehen könne man komplett ausschalten anstatt sie lediglich im Stand-by-Betrieb zu belassen. Ebenfalls wird empfohlen, elektrische Geräte nicht in der Zeit von 11 bis 15 Uhr zu nutzen, sondern eher in den Morgen– oder Abendstunden. Gerade bei Geräten wie Waschmaschinen oder Trocknern sei dies ohne größere Einschränkungen möglich.

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