Studie

Historiker bezeichnet Vorauswahl Gorlebens als "sachgerecht"

Der Historiker Anselm Tiggemann hat den politischen Prozess zur Vorauswahl Gorlebens als Entsorgungs- und Endlagerstandort in den 1970er Jahren als "sachgerecht" bezeichnet. Tiggemann stellte allerdings klar, dass dies keinen Rückschluss auf die Eignung des Salzstocks als Standort erlaube.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Hannover (ddp/red) - "Die Stufen, die zu der Entscheidung geführt haben, sind klar nachzuvollziehen", sagte Tiggemann am Freitag in Hannover bei der Vorstellung einer Studie, die er im Auftrag des niedersächsischen Umweltministeriums erstellt hat.

Der Studie zufolge hatte es sachliche Bedenken gegen drei ursprünglich ins Auge gefasste Standorte in Niedersachsen gegeben. Laut Tiggemann untersuchte die Kernbrennstoff-Wiederaufarbeitungsgesellschaft (KEWA) in der zweiten Jahreshälfte 1976 deshalb weitere Standorte und stellte fest, dass Gorleben sogar deutlich besser geeignet sei als die ursprünglich in Erwägung gezogenen Standorte. Dies sei erst anschließend die Grundlage für den niedersächsischen Auswahlprozess gewesen. "Am Anfang des niedersächsischen Auswahlprozesses stand also die fachliche Eignung Gorlebens", sagte Tiggemann.

Tiggemann machte klar, dass die ursprünglichen Bedenken seitens der Bundesregierung zu Gorleben ausschließlich wegen der Grenznähe zur DDR und befürchteter Proteste bestanden hätten. Fachliche Zweifel habe es nicht gegeben.

Auf eine wirkliche Eignung Gorlebens als Standort für ein Endlager wollte sich Tiggemann nicht festlegen. Er habe lediglich historisch überprüft, wie es zu der Vorauswahl gekommen sei.

Landesumweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) wertete die Studie als Basis für eine Versachlichung der Diskussion. Damit seien die insbesondere in den vergangenen Monaten aufgekommenen "Verschwörungstheorien" vom Tisch.

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