Bilanz der "neuen Kraft" in spe

HEW: "Wir malen unseren Strom nicht an"

Dr. Manfred Timm, gestern Mittag noch Vorstandssprecher der HEW, zeigte sich im Rahmen der ordentlichen Hauptversammlung ob der Bilanz des Jahres 2000 zufrieden: "Wir entwickeln uns zu einer schlagkräftigen Größe auf dem europäischen Strommarkt".

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com
"Das vergangene Geschäftsjahr 2000 markiert den Beginn einer neuen Ara für Ihr Unternehmen. Die HEW AG befindet sich gemeinsam mit Bewag, VEAG und LAUBAG auf dem Weg, der drittgrößte Stromkonzern Deutschlands zu werden." - Mit diesen Worten begrüßte gestern Dr. Manfred Timm die Aktionäre der Hamburgischen Electricitaetswerke AG zur 107. ordentlichen Hauptversammlung - noch in seiner Funktion als Vorstandssprecher. Am frühen Abend des gleichen Tages teilte die HEW mit, dass sich der Aufsichtsrat der HEW und Timm (63) "im Einvernehmen" darauf verständigt hätten, seinen Vertrag aus Altersgründen und mit sofortiger Wirkung zu beenden.

Zu Beginn seiner Rede ließ Timm die Liberalisierung des Marktes Revue passieren - unter anderem die Fusionen der größten deutschen Energieversorger zu den zwei neuen Gesellschaften E.ON Energie AG und zur neuen RWE AG. Aufgrund kartellrechtlicher Auflagen hatten E.ON und die mit ihr verbundene Sydkraft AB bekanntlich ihre HEW-Anteile an Vattenfall AB verkaufen müssen, die mit jetzt 71,3 Prozent Mehrheitsaktionär der HEW AG ist. Darüber hinaus hatten sich E.ON und RWE auch von ihren Anteilen an den ostdeutschen Gesellschaften VEAG und LAUBAG zu trennen, nicht zuletzt E.ON von den Anteilen an der Berliner Bewag AG. An dem Berliner Energieversorger besitzen HEW und Mirant mittlerweile jeweils knapp 45 Prozent. Auch erinnerte Timm an den Aktienerwerb der HEW von 75 Prozent der VEAG-Anteile und 45 Prozent der LAUBAG-Anteile. Um sich als "Neue Kraft" sowie als drittgrößter Stromversorger der Republik auf dem Markt positionieren zu können, stehe in der kommenden Woche die Übertragung der restlichen Anteile von VEAG und LAUBAG auf HEW an. Für den gesamten "Deal" wird die HEW dann 2,9 Milliarden DM bezahlt haben. Über den Zeitrahmen der Zusammenführung von HEW, Bewag, VEAG und LAUBAG zu einer neuen Unternehmensgruppe berichtete das strom magazin am gestrigen Donnerstag.

Nach Abschluss der Zusammenführung werde eine Gesellschaft entstehen, die als drittgrößter deutscher Stromkonzern über eine Kraftwerksleistung von 14.600 Megawatt verfüge, so Timm - im Vergleich zu 3300 Megawatt der jetzigen HEW. Speise die HEW derzeit etwa 15 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr ins Netz ein, so werde die neue Kraft 76 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr erzeugen. Die Braunkohle-Tagebaue mit einer Förderleistung von über 50 Millionen Tonnen pro Jahr wirkten sich auf den Energiemix der neuen Kraft aus: Der Kernenergieanteil werde dann nur noch bei etwa 13 Prozent liegen. Heute hat die HEW einen Kernenergieanteil an der Stromerzeugung von nahezu 80 Prozent.

Die Umsatzerlöse der vier Unternehmen addierten sich auf einen gemeinsamen Außenumsatz von rund 5,1 Milliarden Euro, führte Timm aus. Die HEW AG allein hat im Jahr 2000 einen Umsatz von 1,5 Milliarden EUR erzielt. Lege man die Vermögenswerte der vier Unternehmen zusammen, ergebe sich eine Bilanzsumme von rund 17 Milliarden Euro - Die Bilanzsumme der HEW AG belief sich im Berichtsjahr auf 3,3 Milliarden Euro. "Damit wird die neue Kraft fünfmal so viel Kapital binden, wie zur Zeit die HEW AG, sagte Timm. Auch die Mitarbeiterzahl steige - von derzeit 4260 Personen auf dann über 22.000 Mitarbeiter und etwa 1450 Auszubildende. "Damit entwickelt sich die HEW von einem lokal orientierten Unternehmen zu einer schlagkräftigen Größe auf dem europäischen Strommarkt", bilanzierte Timm.

Dass man trotz dieser Aktivitäten das operative Geschäft nicht aus dem Auge verloren habe, sei am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens abzulesen. Nach Abschluss des "schwierigsten Geschäftsjahres der gesamten Strombranche" seit der Marktöffnung könne die HEW eine "zufriedenstellende Bilanz" ziehen. Der Jahresüberschuss konnte 2000 mit rund 64 Millionen Euro auf dem Niveau des Vorjahres gehalten werden; die Eigenkapitalrendite nach Steuern belief sich auf 11,3 Prozent - nach 11,2 Prozent im Vorjahr -, und die Netto-Umsatzrendite ging leicht von 4,6 Prozent auf 4,2 Prozent zurück. Der Jahresüberschuss stehe voll zur Ausschüttung zur Verfügung; auf Rücklagen verzichte man.

Der Stromverkauf in Hamburg sei aus Sicht der um 1,1 Prozent zurückgegangen - dafür habe man außerhalb der Stadtgrenze den Absatz verdreifachen können. Den gesamten Stromverkauf bezifferte Timm auf 29,1 Milliarden Kilowattstunden. Mittlerweile verkaufe die HEW an Geschäftskunden außerhalb Hamburgs eine Strommenge, die dem halben Strombedarf Hamburgs entspreche. Auch in Frankreich habe man gut Fuß fassen können; die ersten Kontakte zu Österreich seien geknüpft.

Auf "kostspielige Maßnahmen" zur Etablierung einer Marke habe man verzichtet - und hinsichtlich der "neuen Kraft" kündigte Timm an, dass man auch in Zukunft nicht vorhabe, mit großem Werbeaufwand "wohltonende Kunstnamen" in die Welt zu setzen "oder unseren Strom farbig anzumalen".

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