"Vierte Kraft"

HEW ist neuer Hauptgesellschafter von Bewag, Veag und Laubag

Die kartellrechtlich geforderte Übertragung der E.ON- und RWE-Anteile an Bewag, Veag und Laubag an die HEW ist jetzt vollzogen worden. Damit steht der Bildung einer "neuen Kraft" im deutschen Strommarkt nichts mehr im Weg.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com
"Wir sind unserem Ziel, die neue Kraft am deutschen Strommarkt zu werden, einen entscheidenden Schritt naher gekommen", freute sich HEW-Vorstandsprecher Dr. Manfred Timm. Vor zwei Tagen hatten auch die EU-Kommission und das Finanzministerium grünes Licht für die Übertragung der E.ON- und RWE-Anteile an Veag, Bewag und Laubag an die HEW gegeben. Das Bundeskartellamt und das Bundesamt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) hatten bereits zugestimmt.


Die HEW AG hat am 16. Mai 2001 die Beteiligungen der RWE an der VEAG (26,25 Prozent) und die Beteiligungen der E.ON Energie an den Energieversorgungsunternehmen Bewag (49 Prozent), Veag (48,75 Prozent) und Laubag (45 Prozent) übernommen. Damit hält HEW direkt 75 Prozent an Veag und 45 Prozent an Laubag. Der Kaufpreis für die Anteile beträgt 2,9 Milliarden DM- etwa 1,2 Milliarden DM an RWE und etwa 1,7 Milliarden DM an E.ON Energie. Ein Teil der Summe an E.ON wird durch die Übertragung der von HEW gehaltenen Sydkraft-Aktien auf E.ON beglichen. Für den Verkauf der Bewag-Beteiligungen erhalt E.ON Energie von der HEW die 61,9 Prozent der von HEW gehaltenen Anteile an HEIN GAS Hamburger Gaswerke GmbH sowie einen Barausgleich von nahezu 1,7 Milliarden DM. Die Trennung von HEIN GAS, so Timm, sei für die HEW ein schmerzlicher Vorgang gewesen, weil gewachsene Bindungen zwischen den beiden Hamburger Energieversorgern aufgegeben wurden. Dieser Schritt war nur vertretbar, weil die Vorteile des Gesamtpaketes überwiegen. In den nächsten Tagen wird die HEW, die bereits 5,3 Prozent an der Bewag halt, von institutionellen Anlegern weitere 9,2 Prozent der Bewag-Anteile erwerben. Die verbleibenden Veag-Anteile (25 Prozent) hält die Energie-Beteiligungs-Holding GmbH (EBH). An ihr sind HEW, Bewag, EnBW und RWE Net (ehemals VEW) zu gleichen Teilen beteiligt. Die verbleibenden Laubag-Aktien (55 Prozent) hält die BBS-Braunkohlen-Beteiligungsgesellschaft mbH, an der RWE/Rheinbraun (81,8 Prozent) und EBH (18,2 Prozent) beteiligt sind. Die Anteile des RWE-Konzerns sollen ab Juli 2001 auf die HEW übertragen werden. Die Übertragung der indirekt von RWE über die EBH an der Veag und Laubag gehaltenen Anteile wird bis 2003 erfolgen.


Die HEW wird in zwei nächsten Schritten mit Mirant, die derzeit 26 Prozent an der Bewag hält, und mit der Bewag Kooperationsvertrage schließen, in denen die Bildung der "Neuen Kraft" am deutschen Strommarkt und die Anteilsverhältnisse für die Übergangszeit bis 2003 geregelt werden. Für diese Übergangszeit wird es bei der Bewag "equal shares" und "joint control" zwischen HEW und Mirant geben. Die HEW hat der Bewag das Recht eingeräumt, 25,1 Prozent der HEW-Anteile an Veag und Laubag sowie die von RWE und, gegebenenfalls, die von EnBW gehaltenen Anteile an beiden Unternehmen zu erwerben. Sitz der Holding oder Obergesellschaft des neuen Konzerns wird Berlin. Auf der Ebene der Gesellschafter werden Mirant und Vattenfall eine Partnerschaft unter Führung von Vattenfall eingehen. Die Freie und Hansestadt Hamburg sowie freie Aktionäre werden entsprechend ihrer Beteiligungsverhältnisse Anteile an der "Neuen Kraft" erhalten. Die Verhandlungen zur Bildung der "Neuen Kraft" sollen bis Mitte 2003 abgeschlossen sein, mit wirtschaftlicher Rückwirkung zum 1. Januar 2003.

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