Kohlebergbau

Heuersdorf protestiert mit neuem Ortsschild gegen Abbaggerung

Weil die ursprünglichen, amtlichen Ortsschilder im Oktober vergangenen Jahres mit der Eingemeindung von Heuersdorf nach Regis-Breitingen verschwunden seien, hat das sächsische Dorf, das sich seit Jahren gegen seine Abbaggerung durch die Mibrag zur Wehr setzt, jetzt eigene, leuchtendgrüne Schilder aufgestellt.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Heuersdorf (ddp-lsc/sm) - Mit der Aufstellung eines eigenen Ortsschildes protestiert die Gemeinde Heuersdorf gegen seine geplante Abbaggerung durch die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (Mibrag). Die ursprünglichen, amtlichen Ortsschilder seien im Oktober vergangenen Jahres mit der Eingemeindung nach Regis-Breitingen verschwunden, sagte Ortsvorsteher Horst Bruchmann am Freitag.

Da sich die Stadt beharrlich weigere, neue Schilder aufzustellen, habe die Ortschaft jetzt handeln müssen. Das neue Schild in leuchtendem Grün zeigt unter dem Schriftzug "Heuersdorf" die Bemerkung "Statt Regis-Breitingen" als Anspielung auf die Eingemeindung des Ortes in die benachbarte Stadt.

Nach Ansicht Bruchmanns versucht die Stadt Regis-Breitingen mit der Weigerung, neue Schilder aufzustellen, der Ortschaft Heuersdorf die Identität zu rauben. Nach offizieller Lesart seien die Schilder gestohlen worden, zitiert Bruchmann die Aussage der Stadtverwaltung. Neue seien angeblich nicht erforderlich, da es sich lediglich um eine Orts-Vorbeifahrt handele. Zudem habe die Stadt zu erkennen gegeben, kein Geld für neue Schilder zu haben. Dies könne jedoch getrost als Ausrede betrachtet werden, sagte Bruchmann. Letztlich würden Kosten von 300 Euro entstehen, zudem habe die Stadt neue 50-km/h-Schilder aufstellen lassen. Jüngst habe die Stadt zudem überraschend zugesagt, an den Stichstraßen, die in den Ort führen, drei neue Ortsschilder aufstellen zu lassen.

Heuersdorf wehrt sich seit Jahren gegen seine Abbaggerung. Das so genannte Heuersdorf-Gesetz als rechtliche Grundlage hat der Sächsische Verfassungsgerichtshof jedoch vor Jahren gekippt. Gegen das vom Landtag mit Stimmen der CDU und SPD erneut verabschiedete, zweite Heuersdorf-Gesetz hat der Ort wieder Klage eingelegt. Die Mibrag argumentiert, sie brauche die Kohle unter Heuersdorf, um auch in Zukunft wirtschaftlich arbeiten zu können. Im Extremfall stünden Tausende von Arbeitsplätzen auf dem Spiel.

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