Energiewende

Hessen sieht Ausbaupotenzial bei Biogas

Die hessische Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) wirbt bei Bürgern für eine "realistische Umsetzung" der Energiewende, sprich, für mehr Akzeptanz des Mammutprojekts. Dabei geht es der Ministerin vor allem um Windräder, aber auch um bessere Chancen für Biogasanlagen. In diesem Segment ließe sich das Potenzial verdoppeln.

Ökogas© Swetlana Wall / Fotolia.com

Bad Hersfeld/Gießen (dapd/red) - "Wir stehen vor der Herausforderung, den hessischen Energiebedarf bis 2050 zu möglichst 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu decken", sagte die Ministerin laut Redemanuskript am Mittwoch beim Auftakt zur Veranstaltungsreihe "Bei uns hat Energie Zukunft" in Gießen. Von der Informationsreihe verspricht sich Puttrich vor allem für Windkraft mehr Akzeptanz.

Um dem Wunsch der Bürger nach Informationen und Teilhabe nachzukommen, unterstütze die Landesregierung Kommunen finanziell bei Bürgerdialogen, sagte die Unionspolitikerin. Zehn Regionalveranstaltungen seien geplant. Zusätzlich solle ein Infobus durch 20 hessische Städte touren und Bürgern anschaulich die Themen Energieeffizienz und erneuerbare Energien näherbringen.

Ministerin will Monokulturen vermeiden

Zuvor war Puttrich am Mittwoch am hessischen Biogasforschungszentrum Eichhof nahe Bad Hersfeld. In der Produktion von Biogas sieht die Ministerin ausbaufähige Möglichkeiten zur Realisierung der hessischen Energieziele. "Wir könnten unser Potenzial fast verdoppeln", sagte sie. Künftige Forschungen müssten aber den Fokus weiter auf die verwendeten Substrate und Verfahren richten, um den Anbau von Monokulturen und Übernutzung von Landflächen zu vermeiden.

Bisher sei Monokulturanbau zur Gewinnung von Einsatzstoffen in Biogasanlagen kein Problem in Hessen, betonte Puttrich. Im Gegensatz zu anderen Ländern betrage beispielsweise der Anteil von "Energiemais" an der gesamten Maisproduktion nur etwa ein Drittel. Trotz eines starken Ausbaus von Biogasanlagen sei die Maisproduktion in den vergangenen Jahren relativ konstant geblieben.

Auch die Wirtschaftlichkeit der Biogasproduktion sei gegeben, fuhr Puttrich fort. Langfristig müssten Betreiber auch nicht weiter gefördert werden. Stattdessen sei es sinnvoller, ein Bürgschaftsprogramm zur Finanzierung neuer Anlagen aufzulegen.

Einsatzstoffe im Fokus der Forschung

Ziel der Biogasproduktion sei es, Strom bei Bedarfsspitzen liefern zu können und Erdgas obsolet zu machen, erläuterte der Laborleiter am Biogasforschungszentrum, Walter Zerr. Entsprechend liege der Forschungsschwerpunkt derzeit auf Einsatzstoffen, die als Alternative zum kritisierten Energiemais verwandt werden können und von denen eine ähnlich effiziente Gasausbeute zu erwarten ist. Spezielle Züchtungen von Gräsern und Schilfpflanzen seien diesbezüglich besonders vielversprechend, merkte er an.

Das ebenfalls am Eichhof angesiedelte Fraunhofer-Institut für Energiesystemtechnik sei damit befasst, Stromüberschüsse der Biogasanlagen speicherbar zu machen, erklärte Ingenieur Jürgen Schmid. Hierbei gehe es allerdings weniger um technische Probleme, die einfach zu lösen seien. Schwieriger seien Fragen der Wirtschaftlichkeit und Effizienz in diesem Bereich. Ergebnisse sollten diesbezüglich im Dezember vorliegen.

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