Trends

Heidelberger Energieforum: Zukunft der EVUs liegt in Vielfalt

Über die Zukunft der Energiewirtschaft in Deutschland diskutierten mehr als 25 Vorstände und Geschäftsführer auf dem 1. Heidelberger Energieforum. Nach erfolgreichem Auftakt, soll dieses Forum künftig regelmäßig durchgeführt werden - als Gesprächsplattform für die Entscheider der Branche.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Heidelberg (red) - "Zukunftsvisionen der Energiewirtschaft" - unter diesem Motto feierte kürzlich das 1. Heidelberger Energieforum seine Premiere. Neben Zukunftsforscher Matthias Horx und dem Gastgeber Stefan Renkert, Geschäftsführer des Veranstalters coneco, diskutierten etwa 25 Vorstände und Geschäftsführer deutscher Stadtwerke und Regionalversorger über mögliche Trends in der Energiewirtschaft.

Einig waren sich alle Beteiligten, dass sich die deutsche Energiewirtschaft in den nächsten Jahren drastischen Veränderungen unterziehen werde, und dass sich viele dieser Veränderungen bereits deutlich abzeichnen. So beschrieb etwa Johannes van Bergen, Geschäftsführer der Stadtwerke Schwäbisch Hall und Sindelfingen, eine Zukunft der Stadtwerke als "Stadt-Dienstleister". Nicht mehr nur die klassischen Versorgungsaufgaben mit Strom, Gas, Wasser und Wärme oder Aufgaben wie der Öffentliche Nahverkehr werden seiner Meinung nach zu den künftigen Kernaufgaben des Stadtwerks gehören. Das Unternehmen müsse sich vielmehr zu einem Rundum-Dienstleister entwickeln und aktiv neue Geschäftsfelder erschließen.

Um auf kurzfristig eintretende Marktentwicklungen besser reagieren zu können, forderte Dr. Christoph Helle, Generalbevollmächtigter der MVV Energie, Verbesserungen im Intraday-Markt. Außerdem hält er einen liquiden Regelenergiemarkt für notwendig, um Ausgleichskosten für Abweichungen und Netznutzungsentgelte für die Marktteilnehmer zu verringern.

Dass die Stadtwerke sich künftig sehr viel stärker als bisher vernetzen werden, glaubt der Initiator des Heidelberger Energieforums, Stefan Renkert. Seiner Ansicht nach wird es künftig kein Patentrezept mehr dafür geben, welche Leistungen ein Stadtwerke selbst erbringt, welche Leistungen es gemeinsam mit anderen organisiert oder welche es gar ganz nach außen vergibt: "Um wirtschaftlich arbeiten zu können, müssen die Stadtwerke und Regionalversorger künftig einen Mix aus Out-, Co- und In-Sourcing finden, und das individuell für jeden Geschäftsbereich."

"Die große Resonanz unter den Führungskräften in der Energiewirtschaft zeigt uns, dass der Bedarf, sich einmal abseits vom Tagesgeschäft mit den längerfristigen Entwicklungen im Markt zu beschäftigen enorm ist", ist denn auch Renkerts Fazit. Aufgrund der positiven Resonanz und der Vielzahl interessanter Denkanstöße wurde deswegen vereinbart, das Heidelberger Energieforum zur Entwicklung von Visionen zu institutionalisieren und im nächsten Jahr zu wiederholen. Bis dahin sollen die interessanten Aspekte in verschiedenen Intensivworkshops in kleinen Gruppen weiter vertieft und vorangetrieben werden.

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