Kommentar

Handelsblatt-Energietagung: Überraschender Besuch von Enron-Vertreter

Auf der Handelsblatt-Jahrestagung "Energiewirtschaft", die derzeit in Berlin stattfindet, kommentierte Eric Shaw von Enron Europe den Zusammenbruch des weltgrößten Energieversorgers.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Die 9. Handelsblatt-Jahrestagung "Energiewirtschaft" fand gestern in Berlin wider Erwarten mit einem Enron-Vertreter statt. Eric Shaw, Vice President, Continental Europe, Enron Europe Limited, London, kommentierte in seiner Rede den Zusammenbruch des weltgrößten Energieversorgers.

Enron sei zur Zeit unter Verwaltung von PriceWaterhouseCoopers, sagte Shaw. Der Wirtschaftsprüfer habe die Führung des Unternehmens übernommen und versuche nun unter Mitarbeit eines Kernteams, dem er selbst angehöre, den Wert der verbleibenden Assets zu maximieren, um die Ansprüche der Gläubiger weitgehend zu erfüllen. Die Abwicklung werde noch die nächsten Monate in Anspruch nehmen. Shaw, der betonte, als persönlich Betroffener und nicht als offizieller Enron-Vertreter zu sprechen, hob insbesondere hervor, dass er als Amerikaner aufgrund seiner Tätigkeit im europäischen Energiemarkt seit 1994 in Europa tief verwurzelt sei. Viele Details habe er - wie auch zahlreiche Kollegen - erst aus der Presse erfahren.

Aufgrund des mangelnden Vertrauens der Kunden und der Handelspartner infolge der außerordentlichen Verlustmeldungen sei es zu einem Liquiditätsabfluss gekommen. Das habe unter anderem zu dem verheerenden Zusammenbruch geführt. Shaw betonte, dass das Kerngeschäft des Energiehandels sehr erfolgreich und rentabel gewesen sei. Umso überraschender war auch für viele Mitarbeiter die Nachricht des kompletten Zusammenbruchs. Die "großen schwarzen Löcher im Handelsbereich", die in der Presse immer wieder als Grund genannt wurden, könne er nicht bestätigen. Durch den Verfall des Aktienpreises hätten langjährige Mitarbeiter, die ihre Rente in Enron angelegt hatten, ihre Altersvorsorge verloren. Diese Härtefälle seien für ihn besonders schmerzhaft, ebenso wie die Tatsache, dass viele Kollegen ihre Arbeitsplätze und zahlreiche Anleger Kapital verloren hätten.

Shaws Engagement als überzeugter Verfechter von liberalisierten Märkten zeigte sich auch in der nachhaltig vorgetragenen Forderung und auch Warnung, dass aus dem Zusammenbruch Enrons kein Kapital gegen eine fortschreitende Liberalisierung geschlagen werden dürfe. Wichtig sei natürlich, dass jedes Unternehmen die Kreditwürdigkeit seiner Kunden intensiv zu verfolgen habe. Der Zusammenbruch Enrons war gerade für die europäische Führungsebene sehr lehrreich, so Shaw abschließend.

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