TV5 Monde

Hacker legen französischen TV-Sender lahm

Hacker griffen den französischen TV-Sender TV5 Monde an und blockierten die Ausstrahlung der Programme. Als "Cyber Kalifat" gaben sich die Angreifer zu erkennen. Wie ist es eigentlich um die Sicherheit deutscher Sender bestellt?

Datenmissbrauch© Jürgen Fälchle / Fotolia.com

Paris/Halle (dpa/AFP/red) - Im Namen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben Hacker die IT-Systeme des französischen Senders TV5 Monde gekapert und die Ausstrahlung der Fernsehprogramme stundenlang blockiert. Bei der massiven Cyberattacke platzierten sie Propaganda der Terrorgruppe auf den Webseiten und Social-Media-Konten des Senders. Frankreichs Premierminister Manuel Valls verurteilte die Aktion am Donnerstag über Twitter als "inakzeptable Verletzung der Informations- und Meinungsfreiheit".

IS-Zugehörigkeit noch nicht bestätigt

Eine Gruppe namens "Cyber-Kalifat" bekannte sich im Internet zu dem Angriff, der am späten Mittwochabend begann. Ob tatsächlich der IS dahinter steckt oder Sympathisanten im Alleingang zur Tat schritten, war am Donnerstag noch unklar. Frankreichs Militär geht als Teil einer internationalen Koalition gegen die sunnitischen IS-Extremisten im Irak vor.

Weitere Angriffe nicht ausgeschlossen

Nach Erkenntnis des französischen Innenministers Bernard Cazeneuve gibt es zahlreiche Hinweise auf einen terroristischen Akt. Es sei nicht auszuschließen, dass ähnliche Angriffe wieder passieren könnten oder bereits geplant seien, sagte Cazeneuve in Paris. Nach Einschätzung des auf Sicherheitssoftware spezialisierten Unternehmens Blue Coat handelt es sich "um einen gut durchdachten Hack, dem detaillierte Einblicke in das Netzwerk und eine langwierige und intensive Vorbereitung zugrunde lagen".

Offensichtlich war die Aktion gut vorbereitet: "Alles ist sehr synchronisiert abgelaufen", sagte die Digital-Chefin des Senders, Hélène Zemmour. Kurz nach Beginn des Angriffs gegen 22.00 Uhr am Mittwochabend sei das interne IT-System zusammengebrochen, anschließend waren auch die Programme betroffen. Der Sender habe eine sehr starke Firewall zur Abwehr vor unerlaubten Zugriffen, betonte Bigot im Radiosender RTL.

"Charlie Hebdo": Anspielungen auf den Terrorangriff

TV5 Monde ist ein international ausgerichteter Fernsehsender, der zum Großteil vom französischen Staat finanziert wird. Allerdings sind auch TV-Anstalten aus anderen französischsprachigen Staaten beteiligt, seine Programme sind in rund 200 Ländern zu empfangen. Am Mittwoch hatte der Sender einen neuen Kanal zur französischen Lebensart gestartet.

Französische Medien zeigten am Donnerstag Bilder der gehackten Facebook-Seite von TV5 Monde: Dort ist der Slogan "Je suIS IS" ("Ich bin IS") zu sehen - eine Anspielung auf die Sympathiekundgebung "Je suis Charlie" für die Opfer des blutigen Terrorangriffs auf die Redaktion des Satireblatts "Charlie Hebdo" Anfang des Jahres. Nach Berichten der französischen Nachrichtenagentur AFP waren auf der Facebook-Seite von TV5 Monde auch Drohungen gegen französische Soldaten zu lesen.

Bundesamt schließt Angriff auf deutsche TV-Sender nicht aus

Nach der Hackerattacke auf die französische Sendergruppe TV5Monde schließt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) einen ähnlichen Angriff auch in Deutschland nicht aus. "Normalerweise sind Webseiten betroffen", sagte BSI-Sprecher Matthias Gärtner der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung" (Freitagsausgabe). "Dass der Sendebetrieb gestört worden ist, ist neu." Ob dies auch in Deutschland passieren könne, sei "schwer zu sagen". "Doch je mehr internetgestützte Technik zum Einsatz kommt, desto mehr Fläche gibt man für Angriffe aus dem Cyberraum", warnte Gärtner.

Da das Fernsehen immer stärker Internet-basiert arbeite und es viele mobile Zugänge gebe, wachse das Risiko, fügte der Behördensprecher hinzu. Das Bundesamt sei gemeinsam mit dem Cyber-Abwehrzentrum der deutschen Sicherheitsbehörden und den französischen Behörden bemüht, die Ursache zu klären.

Quelle: AFP, DPA

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