Koalitionsgegner

Hacker droht SPD-Abweichlern per Telefon

Mehrere SPD-Mitglieder wurden offenbar von einem Hacker telefonisch bedroht. Hauptsächlich waren es Mitglieder, die sich nicht mit einer großen Koalition einverstanden zeigten.

Berlin© elxeneize / Fotolia.com

Berlin (AFP/red) – Ein Hacker hat sich nach Angaben der SPD in das Telefonsystem des Willy-Brandt-Hauses eingewählt und Mitgliedern der SPD-Basis telefonisch gedroht. Wie Zeit Online und stern.de am Mittwoch übereinstimmend berichteten, gab sich ein Mann als Mitarbeiter aus dem Büro der Generalsekretärin Andrea Nahles (SPD) aus. Er habe den Mitgliedern für den Fall, dass diese bei der Mitgliederbefragung über die große Koalition mit Nein stimmten, mit empfindlichen Konsequenzen für ihre Karrieren gedroht.

Mehrere Jusos betroffen

Der Hacker habe es technisch so aussehen lassen, als rufe er mit der zentralen Nummer des Parteivorstands an, sagte SPD-Sprecher Tobias Dünow Zeit Online. Auf diese Weise habe der Anruf für die SPD-Mitglieder echt erscheinen müssen. Mindestens eine hohe einstellige Zahl an Juso-Mitgliedern sei am Dienstag vermeintlich von dieser Nummer aus angerufen worden. Die SPD erwäge Strafanzeige, sagte Dünow stern.de. Sie alle hatten sich den Berichten zufolge öffentlich gegen die große Koalition ausgesprochen.

Entscheidung am 14. Dezember

Nahles äußerte sich zu dem Vorfall in einer Zeit Online vorliegenden E-Mail an einen der Geschädigten, der sich zuvor empört an ihr Büro gewandt hatte. "In der SPD gibt es keinen Platz für Drohanrufe", heißt es demnach darin. Die SPD-Basis soll per Mitgliederentscheid über den Koalitionsvertrag mit der Union abstimmen. Das Ergebnis soll am 14. Dezember verkündet werden, erst danach kann die neue Regierung ihr Amt antreten. Die SPD-Spitze, die eine große Koalition befürwortet, hat ihre politische Zukunft mit dem Erfolg des Votums verknüpft.

Quelle: AFP

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