Ungerecht

Gutachten: Preissystem für Netzentgelte muss grundlegend geändert werden

Prof. Wolfgang Pfaffenberger vom Bremer Energieinstitut hat im Auftrag der BMR-Service GmbH ein Gutachten zum Preissystem bei Netznutzungsentgelten für Strom erstellt. Ergebnis: Die untersuchten Strompreisangebote für gewerbliche Abnehmer sind nicht kostendeckend. Das heißt, der Stromversorger kann damit nicht ihre Kosten abdecken.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Die bei Installation und Unterhaltung eines Stromnetzes entstehenden Kosten hängen entscheidend davon ab, auf welche Spitzenlast das Netz ausgelegt werden muss. Zu dieser Höchstlast, die ein Netz im Bedarfsfall leisten muss, tragen verschiedene Verbrauchsgruppen in unterschiedlicher Weise bei. Die Leistungsabnahme in Deutschland folgt dabei recht konstant bestimmten Verlaufskurven. Die typische Spitzenlast wird zum Beispiel werktags gegen 17 Uhr nachgefragt, wenn gewerbliche Verbraucher noch arbeiten und Haushalte nach Feierabend erhöhten Stromverbrauch aufweisen. Derartige Spitzenlastnachfrage lässt sich aufgrund jahrzehntelanger Erfahrung recht genau prognostizieren. Das Gutachten stellt den Beitrag der verschiedenen Verbrauchsgruppen dar. Danach tragen die gewerblichen Abnehmer deutlich weniger zur Spitzenlast bei als Haushalte. Es wäre daher sachgerecht, für gewerblichen Stromverbrauch niedrigere Netzentgelte zu erheben, da diese Kundengruppe entsprechend weniger Netzkosten verursacht.

Bisher verlangen Stromnetzbetreiber aber von alle Kundengruppen im Niederspannungsnetz einheitliche Netzentgelte. Auf der anderen Seite bieten die netzbetreibenden Unternehmen jedoch gewerblichen Kunden Strom zu erheblich niedrigeren Preisen an. Das Gutachten beleuchtet daher konkrete Versorgungstarife von EVU (also Netzbetreibern, die zugleich als Stromversorger arbeiten) im Einzelnen. Die Untersuchung bezieht sich auf zahlreiche bedeutende Flächennetzbetreiber in Deutschland. Das Ergebnis ist eindeutig: Die untersuchten Strompreisangebote für gewerbliche Abnehmer sind nicht kostendeckend. Das heißt, der Stromversorger kann damit nicht die Kosten abdecken, die aus rechtlichen Gründen durch alle Händler in gleicher Weise zu tragen sind. Dies gilt insbesondere für Schwachlast-Tarife der untersuchten EVU (Nachtstrom), aber auch für eine Mischkalkulation über Tagstrom und Nachtstrom.

Das Gutachten äußert daher den Verdacht, dass die untersuchten Netzbetreiber ihrem eigenen Stromvertrieb nicht die selben Netzkosten in Rechnung stellen wie den externen, freien Händlern. Andernfalls würde es sich um – kartellrechtlich nicht erlaubte – Dumpingangebote zu Lasten privater Verbraucher handeln. Der Wettbewerb würde hierdurch massiv behindert, weil es freien Händlern nicht möglich sei, in diesem Bereich kostendeckende Konkurrenzangebote zu machen – ihnen werden die oben beschriebenen Kosten unvermindert in Rechnung gestellt.

Schlussfolgerungen von Prof. Pfaffenberger: Es sollte künftig unterschiedliche Netzentgelte für unterschiedliche Verbrauchsgruppen geben. Das individuelle Verbrauchsprofil der verschiedenen relevanten Kundengruppen ist bereits in den Standardlastprofilen des VDEW (Verband der deutschen Elektrizitätswirtschaft) dargestellt. Diese stellen derzeit eine praktikable Grundlage für die Kalkulation der Netzentgelte dar.

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