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Gutachten: Netznutzungsentgelte höher als vor der Liberalisierung

Gemäß eines Gutachtens von Prof. Dr. Wolfgang Pfaffenberger vom Bremer Energieinstitut führt der umstrittene Kalkulationsleitfaden der VVII plus zu höheren Kosten als im Gutachten verglichene Arbeitsanleitungen, die vor der Energiemarktliberalisierung für die Tarifgenehmigung angewendet wurden. Der bne fordert die Einführung dynamischer Benchmarking-Systeme.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Nach welchen Kriterien werden angemessene Netznutzungsentgelte für elektrische Energie festgelegt? Und: Führt der Kalkulationsleitfaden der Verbändevereinbarung II plus (VVII plus) zu systematisch überhöhten Netznutzungsentgelten oder nicht? - Das waren die Streitfragen einer Experten-Diskussion über die Kalkulationsmethoden für Durchleitungsentgelte für elektrische Energie, die gestern im Berliner Roten Rathaus statt fand. Anlass war ein Gutachten von Prof. Dr. Wolfgang Pfaffenberger vom Bremer Energieinstitut, das dieser im Rahmen der Veranstaltung vorstellte. Auf Einladung des Bundesverbandes Neuer Energieanbieter (bne) sowie der energiepolitischen Sprecherin der Bündnisgrünen-Bundestagsfraktion, Michaele Hustedt, diskutierten rund 50 Branchen- und Verbandsvertreter zum Thema.

Das Ergebnis: Der umstrittene Kalkulationsleitfaden der VVII plus führt in den untersuchten Fällen zu höheren Kosten als die im Gutachten verglichenen Arbeitsanleitungen, die vor der Energiemarktliberalisierung für die Tarifgenehmigung angewendet wurden. Prof. Dr. Pfaffenberger unterstrich, dass weder die Höhe noch die Unterschiede der Entgelte für Stromdurchleitung durch den Kalkulationsleitfaden erklärt werden können. Es liege auf der Hand, dass dieser Leitfaden von vielen Unternehmen nicht angewendet werde.

Ein Großteil der anwesenden Energiemarktexperten war sich, so der bne, einig: Die bisher statischen Verfahren der Kostenkontrolle für Durchleitungsentgelte müssten durch dynamische Benchmarking-Systeme abgelöst werden. Die dafür notwendige Transparenz könne nur durch das von der EU geforderte Unbundling - sprich: Entflechtung von Netzbetrieb und Vertriebsabteilung - geschaffen werden.

Dr. Henning Borchers, Geschäftsführer des bne: "Es ist völlig undurchsichtig, wie die heutigen Netznutzungsentgelte zustande kommen. Sie sind überhöht und erscheinen mitunter willkürlich. Die Händler haben keinerlei Einblick in die Kalkulation der Netzbetreiber. Moderne Anreizregulierung auf Basis von Benchmarking-Prozessen schafft effiziente Strukturen und ist Voraussetzung für diskriminierungsfreien Wettbewerb".

Das Gutachten von Prof. Dr. Wolfgang Pfaffenberger mit dem Titel "Vergleich der Arbeitsanleitungen nach Paragraph 12 BTOELT mit dem Kalkulationsleitfaden nach Anlage 3 der Verbändevereinbarung II plus" ist als PDF-Version beim bne per E-Mail erhältlich. Interessenten wenden sich bitte an Almut Stollberg, Referentin für Energiepolitik, E-Mail: almut.stollberg@bne-online.de.

Die 3-seitige Zusammenfassung des Gutachtens können Sie auch im PDF-Format (Größe etwa 40 KB) über den Server des strom magazins herunterladen. Folgen Sie bitte dem Link zu diesem Artikel.

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