Viel Kritik

Grundsteinlegungen für zwei neue Kohlekraftwerke

Sowohl in Wilhelmshaven als auch in Karlsruhe wurde der Grundstein für ein neues Kohlekraftwerk gelegt. Die baden-württembergischen Grünen haben die Grundsteinlegung für das umstrittene neue Kraftwerk in Karlsruhe am Samstag heftig kritisiert.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Karlsruhe/Wilhelmshaven (ddp/sm) - Grünen-Landesvorsitzender Daniel Mouratidis sprach von einem "im wahrsten Sinne des Wortes" schwarzen Tag für Karlsruhe und Baden-Württemberg. Statt auf eine zukunftsfähige Energieversorgung zu setzen, führten Landesregierung und der Energiekonzern EnBW einen Kurs, "der geradewegs in die energiepolitische Steinzeit führt und den Klimaschutz mit Füßen tritt", sagte Mouratidis.

Klimapolitisch sei der Bau des neuen Kraftwerks ein falsches Signal, sagte Mouratidis, weil es jedes Jahr sechs Millionen Tonnen Kohlendioxid ausstoßen werde. Das von der Bundesregierung angestrebte Klimaziel von 40 Prozent weniger CO2 bis 2020 rücke damit in weite Ferne, gerade auch weil das übrige Engagement zur Reduzierung der CO2-Emissionen dürftig sei.

Fatal sei der Neubau zudem für die Luftqualität in Karlsruhe. Das Kraftwerk sei "eine wahre Dreckschleuder", betonte Mouratidis. Es verpeste die Luft mit Feinstaub und Schadstoffen wie Stickoxiden, Blei oder Arsen und belastet so die Gesundheit von Mensch und Umwelt.

Der frühere Grünen-Außenminister Joschka Fischer hatte vor wenigen Tagen mit einem Bekenntnis zur Kohlekraft in seiner Partei Bestürzung ausgelöst. Bundestagsfraktionschefin Renate Künast bekräftigte daraufhin das Nein zum Bau neuer Kohlekraftwerke. Auch andere grüne Spitzenpolitiker hatten den Vorstoß Fischers abgelehnt. Fischer hatte in einer Fachzeitschrift gesagt, als Übergangstechnologie könne man nicht auf die Kohle verzichten, wenn man den Atomausstieg fortsetzen wolle.

Bei der Grundsteinlegeung am Samstag hatte der Betreiber EnBW dargelegt, dass der Einsatz von neuen Techniken den Wirkungsgrad des Kraftwerks auf über 46 Prozent steigere, weshalb der spezifische CO2-Ausstoß sinke. Die Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung zur Fernwärmeerzeugung steigere die Energieeffizienz zusätzlich. Durch eine über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehende Auslegung der Rauchgasreinigungsanlagen würden zudem die für die Emissionen maßgebenden Jahresmittelwerte bei RDK 8 etwa für Staub und Stickoxide halbiert, so EnBW.

In Wilhelmshaven war schon am Freitag der Grundstein für ein neues Kohlekraftwerk des Unternehmens Electrabel gelegt worden. Das 800-MW-Kraftwerk soll 2012 ans Netz gehen, wie das Unternehmen mitteilte. Die Investitionssumme beläuft sich auf mehr als eine Milliarde Euro. Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) sprach bei der Grundsteinlegung von einer zukunftsweisenden Investitionsentscheidung für Wilhelmshaven und die gesamte Region. Mit dem Kraftwerk werde die Energieversorgung Niedersachsens langfristig gesichert. Für eine Industriegesellschaft müsse lebenswichtige Energie aus einem ausgewogenen Mix von erneuerbaren Energien, fossilen Energieträgern und Kernenergie erzeugt werden. Nur so könne bezahlbare Energie bereitgestellt werden.

Das Steinkohlekraftwerk wird Unternehmensangaben zufolge einen Wirkungsgrad von 46 Prozent haben. Der durchschnittliche Wirkungsgrad von Steinkohlekraftwerken in Deutschland liegt vergleichsweise bei 38 Prozent. Zudem soll die neue Anlage bei gleicher elektrischer Leistung rund 20 Prozent weniger Kohlendioxid ausstoßen und damit an die 900 000 Tonnen des Treibhausgases pro Jahr sparen.

Durch das Kraftwerk werden rund 110 neue Arbeitsplätze in Wilhelmshaven entstehen, dazu etwa weitere 190 bei Zulieferern und angebundenen Gewerken. Während der Bauphase werden durchschnittlich 900 Menschen auf der Baustelle beschäftigt sein.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Netzausbau

    Energiesektor: Mehr Geld für Atomkraft - Stillstand bei Ökostrom

    Im Energiesektor wurde global betrachtet 2015 wieder deutlich mehr in Atomkraft investiert. Auch für alte Kohlemeiler wurde viel Geld ausgegeben. Bei Öl und Gas war ein Rückgang zu beobachten, während bei den Erneuerbaren der Geldfluss unverändert blieb.

  • Dürre

    Klimaschützer: G20 dürfen Kohlenutzung nicht weiter fördern

    Klimaschützer warnen erneut: Mit den bisherigen Plänen kann die Erderwärmung nicht auf zwei Grad begrenzt werden. Einer aktuellen Studie wird noch immer viel zu viel Geld in fossile Energien gesteckt.

  • Hochspannungsleitung

    NRW-Grüne werfen Fischer fehlende Sachkenntnis vor

    Ebenso wie der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer und der designierte Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir hat auch Chef-Realo Joschka Fischer in seiner Partei Unruhe mit Äußerungen zur Kohlekraft ausgelöst. Die parteiinternen Vorwürfe reißen nicht ab.

  • Stromtarife

    Gabriel verteidigt im Bundestag Neubau von Kohlekraftwerken

    Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat im Bundestag den Neubau von Kohlekraftwerken verteidigt. Allein der Ausbau erneuerbarer Energien reiche nicht aus. Es müsse allerdings ein niedrigerer Kohlendioxid-Ausstoß erreicht werden - der Emissionshandel soll's richten.

  • Hochspannungsleitung

    Bund findet gemeinsame Position beim Emissionshandel

    Ab 2013 soll der Handel mit Emissionszertifikaten vollständig freigegeben werden. Sonderregelungen soll es allerdings für besonders energieintensive Branchen geben. Umweltminister Gabriel berichtete auch über den Etat seines Ministeriums, der wegen dem Zertifikatehandel ein deutliches Plus ausweist.

Top