Projekt alpha ventus

"Grundsteinlegung" für Windkraft-Testfeld vor Borkum (Upd.)

Der Grundstein für Deutschlands ersten Test-Windpark auf hoher See ist gesetzt. Am Freitag wurde das 650 Tonnen schwere Stahlfundament für das Umspannwerk mit vier Stahlpfählen im Meeresboden verankert. Naturschützer kritisierten Schäden im Wattenmeer durch die Verlegung der Kabel.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Borkum (ddp/sm) - Der Rammschlag markiert den Beginn der Arbeiten in der Nordsee 45 Kilometer nördlich der ostfriesischen Insel Borkum. Umweltschützer kritisieren die durch die Verlegung der Stromkabel im Wattenmeer entstandenen Schäden.

Für Deutschlands erstes Windkraft-Testfeld "alpha ventus" sind zwölf Windkraftanlagen mit einer Leistung von je fünf Megawatt geplant. Ursprünglich sollten in diesem Jahr auch schon die Windräder installiert werden. Wegen schlechten Wetters musste dies auf nächstes Frühjahr verschoben werden. Zeitgleich soll dann 100 Kilometer nordwestlich vor Borkum der erste kommerzielle Offshore-Windpark der Firma BARD entstehen.

Das Umspannwerk sei das Herzstück von "alpha ventus", weil es die Weiterleitung des auf See erzeugten Stroms an Land ermögliche, teilten die Betreiber mit. Das am Freitag verankerte 45 Meter hohe und 900 Quadratmeter große Stahlfundament für das Umspannwerk befindet sich überwiegend unter Wasser. Das über Wasser befindliche Modul mit den elektrotechnischen Einheiten stehe in Wilhelmshaven für den Abtransport bereit.

Zum Offshore-Umspannwerk verlegt E.ON-Netz zurzeit eine Stromtrasse durch den Nationalpark Wattenmeer. Dabei muss unter anderem eine Strecke von fünf Kilometern von der Küste bis zur Nordseeinsel Norderney zurückgelegt werden. Umweltschützer kritisieren die entstandenen Schäden durch die Fräsarbeiten im Watt. Onno Gent von der Naturschutzinitiative Wattenrat sagte: "Wenn das so weitergeht, stirbt hier alles Leben bis auf den Wattwurm ab." Er kritisierte, es seien künstliche Priele entstanden, die bestimmten Muschel- und Würmerarten die Lebensgrundlage entziehen könnten.

Herma Heyken vom Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küstenschutz und Naturschutz (NLWKN) sagte, bei einer Begehung seien auch die Genehmigungsbehörden vom Ausmaß der Schäden überrascht gewesen. E.ON-Netz sei zu höheren Auflagen verpflichtet worden. Die gefrästen Gräben müssten sofort wieder geschlossen werden. Cornelia Junge von E.ON-Netz räumte ein, dass die hinterlassenen Spuren im Watt "gravierender als erwartet" waren. "Für uns ist es ein Pilotprojekt", verteidigte sie die Aktion. E.ON-Netz lerne aus den Erfahrungen.

Am Freitag lief unterdessen die Genehmigung für die Baggerarbeiten im Wattenmeer aus, weil der Herbstvogelzug beginnt. Die Entscheidung über eine Verlängerung verschoben die Behörden auf Montag. Bis dahin darf E.ON-Netz zunächst weiter arbeiten. Theodor Schröder vom Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer sagte, ein Verschieben der Bauarbeiten auf nächstes Jahr berge "zusätzliche Probleme ökologischer Art". "Im Frühjahr ist wieder Brutzeit", sagte er. Auch technisch sei eine Unterbrechung kaum möglich. "Das Kabel wird in einem Stück verlegt, man kann es schlecht kappen", sagte er.

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