Geister-Roaming

Grundlos zahlen: Roaming-Kosten trotz getrennter Datenverbindung

Beim sogenannten "Geister-Roaming" zahlen Urlauber für das Surfen im Netz, obwohl sie gar nicht online und die Mobilfunkverbindung getrennt waren. Was kaum möglich klingt, haben Telefonica- und Swisscom-Kunden erlebt.

Smartphone im AuslandWas steckt hinter dem sogenannten "Geister-Roaming"?© mimagephotos / Fotolia.com

Heidelberg- Mobilfunkkunden zahlten teilweise auch dann für Datenverbindungen im Ausland, wenn sie die Datenübertragung ihres Handys eigentlich abgeschaltet war. Was hat es mit dem "Geister-Roaming" auf sich und kann man sich davor schützen? Das Verbraucherportal Verivox berichtet über das Phänomen und gibt Hinweise.

Geister-Roaming: Datenvolumen wird trotz abgeschalteter Verbindung berechnet

Von "Geister-Roaming" ist die Rede, wenn Verbraucher das Datenroaming zum Surfen im Ausland an ihrem Smartphone deaktiviert haben, aber gleichwohl Datentransfer berechnet bekommen. Um Kosten zu sparen, surfen viele Reisende nur über kostenfreie WLAN-Verbindungen, also bewusst nicht übers Mobilfunknetz. "Dass trotzdem Gebühren fürs mobile Surfen anfallen können, erscheint schwer vorstellbar – doch inzwischen sind etliche Fälle dokumentiert", sagt Christian Schiele, Chief Product Officer Telecommunications bei Verivox.

Bekannte Fälle im Telefonica- und Swisscom-Netz

Aus Deutschland und aus der Schweiz liegen Berichte von Kunden vor, denen Datenverbindungen berechnet wurden, obwohl das Datenroaming deaktiviert worden war. Der Anbieter Swisscom hat Schweizer Medien "ganz seltene Fälle" bestätigt, bei denen trotz ausgeschalteter Roaming-Funktion eine kleine Datenmenge übertragen worden war. In Deutschland gibt es Berichte aus dem Telefonica-Netz, bislang jedoch nicht von Telekom- und Vodafone-Kunden.

Ursache für Geister-Roaming ist noch nicht geklärt

In welchem Umfang das Phänomen auftritt, ist unklar. Offenbar sind bislang nur Kunden mit LTE-Handys betroffen, von unterschiedlichen Herstellern. Ein Konstruktionsfehler auf Geräteebene ist ebenso denkbar wie ein fehlerhaftes Zusammenspiel zwischen Netz und Gerät. Als wahrscheinliche Ursache gilt die Übertragung netzinterner LTE-Informationen. Einige Server senden dann trotz Roaming-Abschaltung aktiv Daten an LTE-fähige Endgeräte. Die Swisscom ist nach eigenen Angaben bereits mit verschiedenen Herstellern im Gespräch. Sprecher der deutschen Niederlassungen von Vodafone und Telekom sagten auf Verivox-Anfrage, ihnen seien keine Fälle von Geister-Roaming bekannt. Telefonica überprüft nach eigenen Angaben die bisherigen Standards, um das Phänomen künftig zu unterbinden.

Hinweise und Tipps für Betroffene

Christian Schiele rät Auslandsreisenden, die erste Rechnung nach der Rückkehr genau zu überprüfen: "Zwar sind die durch Geister-Roaming zustande gekommenen Datenmengen üblicherweise nur wenige Kilobyte groß, dennoch können auch solch kleine Mengen die Buchung eines kostenpflichtigen Datenpakets auslösen." Wenn es sich um Tagespakete handelt, fallen meist 2 bis 3 Euro dafür an – jeden Tag. Wer trotz deaktivierten Roamings Datenverbindungen auf der Rechnung vorfindet, sollte seinen Anbieter kontaktieren. Oft sind kulante Lösungen möglich, da die sehr kleinen Datenmengen durch Geister-Roaming den Rückschluss zulassen, dass der Kunde tatsächlich nicht aktiv im Netz unterwegs war.

Um Geister-Roaming zu verhindern, sollten Reisende zusätzlich zum Datenroaming auch "Mobile Daten" in den Handy-Einstellungen deaktivieren sowie die LTE-Funktion ausschalten. In vielen Geräten ist zudem eine Schutzfunktion vorhanden, die Datenübertragung in der EU nur mit einem speziellen Tarif zuzulassen. Zudem lässt sich Datenroaming auch direkt beim Anbieter sperren.

Ausführliche Infos zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
  • Handyfunktionen

    Flexible Vodafone-Tarife für junge Leute

    Vodafone startet Anfang Dezember neue Tarife für junge Leute. Unter dem Namen "Vodafone Young" werden vier Tarife angeboten. Der Nutzer kann jeden Monat neu entscheiden, ob er die SMS- oder Gesprächsflat gegen mehr Datenvolumen tauscht.

  • Handy

    Spar-Tipps: Der richtige Handytarif im Juli

    Jeden Monat gibt es neue Rabattaktionen und Angebote bei den Mobilfunkern. Wir suchen am Monatsanfang einige besonders interessante Handytarife heraus, bei denen Nutzer sparen können. Hier kommen unsere Tariftipps für den Juli!

  • LIDL

    Lidl Connect streicht Roaming-Kosten in der EU

    Inklusiveinheiten und Flatrates lassen sich in den Smartphone-Tarifen von Lidl Connect nun auch im EU-Ausland nutzen. Außerdem versorgt der Mobilfunker seine Tarife im Vodafone-Netz mit mehr Highspeed-Datenvolumen.

  • Handy Ausland

    Roaming: Kostengrenzen in der EU sinken wieder

    Die Kostengrenzen für Roaming in der EU sinken am Samstag (30. April) ein weiteres Mal. Wer im Ausland mit seinem Handy telefoniert oder ins Internet geht, muss kaum noch mehr als in seinem Heimtarif zahlen.

Top