Stromversorgung

Grünen uneinig über zukünftige Energiepolitik

Bei den Grünen ist eine offene Kontroverse über das Tempo der angestrebten Energiewende ausgebrochen. Während Energieexperte Hans-Josef Fell anstrebt, 2030 den gesamten Strombedarf Deutschlands aus regenerativen Energien zu decken, wies der designierte Parteichef Cem Özdemir dies als "nicht realitätstüchtig" zurück.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Das Thema wird am kommenden Freitag auf dem Bundesparteitag in Erfurt eine Rolle spielen, wenn der Parteitag über die Energiepolitik der Grünen debattiert. Fell hat zu den Beratungen einen Antrag eingebracht, wonach sich die Grünen eine 100-prozentige Stromversorgung aus regenerativen Energien bereits für 2030 zum Ziel setzen sollen. Den Delegierten liegt zugleich ein auch von Özdemir unterzeichneter Gegenantrag der Partei- und Fraktionsführung vor, in dem lediglich das Ziel bekräftigt wird, bis 2020 40 Prozent des Stroms aus erneuerbarer Energie zu gewinnen.

Fell verwies darauf, dass das im Jahre 2000 gesetzlich formulierte Ziel eines 12,5-prozentigen Anteils der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch bereits 2007 mit mehr als 15 Prozent übertroffen worden sei. Dabei stehe die Nutzung von Technologien wie Geothermie oder Offshore-Wind mit ihren "riesigen Potenzialen" erst am Anfang.

Damit ließen sich "schon 2015 mehr als 30 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien, 2022 schon über 60 Prozent und spätestens 2030 eine Vollversorgung erreichen", argumentierte der Grünen-Politiker. Mit einem beschleunigten Wachstum könne sogar die gesamte Energieversorgung Deutschlands bis 2040 auf erneuerbare Energien umgestellt werden, fügte der energiepolitische Sprecher der Grünen-Fraktion hinzu. Erleichtert würde dies "durch das Ausschöpfen der Einsparpotenziale".

Özdemir, der auf der Bundesdelegiertenkonferenz für den Parteivorsitz kandidiert, mahnte dagegen, das Energiekonzept der Grünen müsse auch "im Grundlastbereich" funktionieren, und zwar so, "dass wir dabei die Wirtschaft mitnehmen". Es sei ein Erfolg der Grünen, dass der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung heute bei rund 15 Prozent liege und bis zu 300.000 Arbeitsplätze im Bereich dieser Umwelttechnologien entstanden seien. Diesen Erfolg dürften die Grünen "nicht dadurch zerreden und kaputtmachen, indem wir den Eindruck erwecken, dass wir hier nicht seriös agieren".

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