Erste Engpässe

Grünen-Papier: Verknappung fossiler Energieressourcen wird verdrängt

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Energie von Bündnis 90/Die Grünen hat ein Beschlusspapier zur Verknappung fossiler Energieressourcen veröffentlicht. In dem Papier wird kritisiert, dass trotz erster ernstzunehmender Versorgungsengpässe insbesondere die Verfügbarkeit von Erdöl und Erdgas immer noch als gegeben hingenommen werde.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Energie von Bündnis 90/Die Grünen beschäftigt sich seit einem Jahr ausführlich mit der Verknappung fossiler Energieressourcen und weist in ihrem im Dezember 2003 gefassten Beschluss auf bevorstehende Versorgungsengpässe und drastische Preisanstiege hin. Es mehrten sich deutliche Anzeichen, wonach die physische Verfügbarkeit von fossilen Energieressourcen, insbesondere Erdöl und Erdgas, ihre Grenze erreicht hat und dass zunehmend Versorgungsprobleme bevorstehen, so das Beschlusspapier.

Erste Engpässe in den USA

Erste ernsthafte Versorgungsengpässe treten derzeit in den USA im Erdgasbereich auf. Das Beispiel USA zeige, dass Regierungen von Versorgungsengpässen überrascht werden, obwohl Experten seit längerer Zeit warnen. Diese Probleme würden nicht als grundsätzlich wahrgenommen, sondern die Verknappung werde fälschlicherweise als kurzfristiger Engpass gewertet, kritisieren Bündnis 90/Die Grünen. Vielmehr sollte berücksichtigt werden, dass die weltweite Erdölförderung auf Grund schwindender geologischer Verfügbarkeit in diesem Jahrzehnt ihr Maximum überschreitet oder es eventuell sogar schon überschritten hat. Die Folge werde ein rückläufiges Angebot auf dem Weltmarkt sein, das bei der weiter steigenden Nachfrage zu drastischen Preisanstiegen führen könnte.

Für den Stromsektor in Deutschland und für den europaweiten Ausstieg aus der Kernenergie setzen grüne Energiestrategien auf erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Erdgas. Wenn der Erdgasverbrauch in Europa nicht ausgeweitet werden kann, seien solche Strategien allerdings nicht ausreichend, da das Standbein Erdgas nicht trage. Eine Renaissance der Kohle drohe, und der Kernenergieausstieg wäre gefährdet. "Die Bemühungen um Energieeffizienzsteigerung und Einführung erneuerbarer Energien müssen noch weiter verstärkt werden", folgert das Beschlusspapier. Dies müsse mit neuen Szenarien und Strategien untermauert werden.

Straßenverkehr zu 100 Prozent am Erdöl-Tropf

Eine rückläufige Verfügbarkeit von Erdöl wird insbesondere den Verkehr treffen, der mit Ausnahme des schienengebundenen Verkehrs praktisch zu 100 Prozent von Erdöl abhängig ist. Hier seien Strategien zu entwickeln, erneuerbare Energien auch in den Kraftstoffsektor großflächig einzuführen. Auch die Mineralölindustrie weist zunehmend auf Probleme hin. So habe beispielsweise Shell vor kurzem bekannt gegeben, dass die firmeneigenen Reserven bisher um 20 Prozent überschätzt wurden. Zudem gebe es ernsthafte Hinweise, dass auch die wesentlichen Förderländer der OPEC, insbesondere Saudi Arabien, ihr Fördermaximum bereits überschritten hätten. Dies gehe aus einem Beschlusspapier der BAG Energie hervor.

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