Sicherheit

Grüne: Zwischenlager Nord auf Erdbebensicherheit prüfen

Nach dem leichten Erdbeben in Südschweden im Dezember vergangenen Jahres fordern Grüne und Atomkraftgegner die Sicherheitsüberprüfung am atomaren Zwischenlager Nord in Lubmin bei Greifswald. Zudem sollten geplante Überführungen von Atommüll aus anderen Bundesländern gestoppt werden.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Lubmin (ddp-nrd/sm) - Die Ausläufer des Erdbebens seien in Greifswald und Ostvorpommern deutlich zu spüren gewesen, sagte Ulrike Berger vom Grünen-Landesvorstand Mecklenburg-Vorpommern. Geologische Untersuchungen hätten inzwischen gezeigt, dass es sich nicht um ein Beben in Folge der allmählichen Hebung Skandinaviens handelte, sondern um ein "Wiedererwachen" einer sehr alten, für inaktiv gehaltenen Störungszone, der sogenannten Tornquist-Teisseyre-Zone (TTZ).

Da jederzeit wieder mit einem Beben zu rechnen sei, müsse die Sicherheit des Lagers, in dem Castorbehälter mit hochradioaktiven Brennelementen deponiert seien, erneut untersucht werden. "Zusätzlich zu den an sich schon ausreichenden Gründen, die Genehmigung für das Zwischenlager nicht zu verlängern, wäre es ein menschenverachtender Wahnsinn, strahlenden Müll in einem aktiven Erdbebengebiet zu lagern", fügte Berger hinzu.

Die CDU-Landtagsabgeordnete Renate Holznagel wies die Forderungen der Grünen als "unverantwortliche Panikmache" zurück. Es sei völlig unsinnig, Mecklenburg-Vorpommern zur Erdbebengefahrenzone zu erklären, sagte das Mitglied im Kernenergiebeirat des Landes. Die Grünen sollten zur Vernunft und Ehrlichkeit zurückfinden.

Holznagel verwies darauf, dass bei dem Erdbeben im Dezember zu keiner Zeit Gefahr für Menschen in der Nähe des Epizentrums und in Mecklenburg-Vorpommern bestanden habe.

Das Erdbeben am 16. Dezember 2008 hatte eine Stärke von 4,7 auf der Richterskala. Sein Zentrum lag etwa 40 Kilometer östlich von Malmö in einer Tiefe von zehn Kilometern. Die Ausläufer waren seinerzeit auch auf der Insel Rügen, auf dem Darß, in Stralsund und Rostock zu spüren. Verunsicherte Einwohner hatten über leichte Schwankungen berichtet, die mehrere Sekunden andauerten.

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