Seit Mitte der 70er Jahre

Grüne: 700 Defekte in Biblis

Die umweltpolitische Grünen-Sprecherin Ursula Hammann nannte in einer Debatte des hessischen Landtags über die Risiken der umstrittenen Atomenergie heute in Wiesbaden eine Zahl von 700 Defekten in der gut 30-jährigen Geschichte des südhessischen Meilers Biblis. Laufzeitenverlängerung erhöhe das Risiko.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Wiesbaden (ddp-hes/sm) - Die drei jüngsten Defekte im pannenanfälligen Atomkraftwerk (AKW) Biblis haben am Donnerstag ein parlamentarisches Nachspiel gehabt. Am selben Tag, als ein Güterschiff im Außenbereich der Anlage mit dem Kühlwasserzulaufbecken für den Reaktorblock A kollidiert war, gab es vergangene Woche Dienstag in dem AKW insgesamt drei Störungen. Auf Antrag der Grünen diskutierte der Landtag heute über die Risiken der umstrittenen Technologie.

Die umweltpolitische Grünen-Sprecherin Ursula Hammann nannte in der Debatte eine Zahl von 700 Defekten in der gut 30-jährigen Geschichte des südhessischen Meilers. Zugleich hielt sie dem für die Atomaufsicht zuständigen Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) vor, auf viele offene Fragen keine Antworten zu geben. Mit Blick auf das Vorhaben der Union, im Falle eines Sieges bei der Bundestagswahl die im Atomkonsens vereinbarten Restlaufzeiten zu verlängern, sagte sie, CDU und CSU versprächen als Gegenleistung niedrige Strompreise. Dies sei jedoch ein "leeres Bonbon", da mehrere Stromkonzerne mit abgeschriebenen Atomkraftwerken Millionengewinne schrieben, die sie nicht an die Kunden weiter gäben.

Auch der SPD-Umweltpolitiker Gernot Grumbach kritisierte die von der Union geplante Laufzeitverlängerung als "Spiel mit erhöhtem Risiko". Er untermauerte seine Argumente mit Zahlen aus Tschernobyl. Dort seien nach dem verheerenden Reaktorunfall 1986 rund 20 000 Kinder krebskrank und 7000 bereits gestorben.

Umweltminister Dietzel entgegnete, die Atomkraft sei sicher. "Von Schrottreaktor kann nicht die Rede sein", betonte er. Das Umweltbundesamt bescheinige allen deutschen Meilern, "keine systematischen Schwachstellen" zu haben. Eine Laufzeitverlängerung werde es nur mit höheren Sicherheitsstandards geben, bekräftigte Dietzel.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Ökostrom

    Stilllegung Biblis: Merkel muss als Zeugin aussagen

    Das AKW Biblis wurde im Zuge des bundesweiten Atom-Moratoriums im März 2011 stillgelegt. Dafür will der Energiekonzern RWE Millionen Euro an Schadensersatz. Doch wer genau muss dafür zur Verantwortung gezogen werden: Bund oder Land? Angela Merkel wird nun als Zeugin vor Gericht gebeten.

  • Windrad

    Wie die Grünen den Ökostrom verbilligen wollen

    Die Grünen wollen statt einer Strompreisbremse die Produktion von Ökostrom von unnötigen Kosten befreien. Dafür schlugen Fraktionschef Jürgen Trittin und die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke am Dienstag ein halbes Dutzend Maßnahmen vor. Eine Sonderkonferenz aller Energieminister folgt am Donnerstag.

  • Energieversorung

    VIK: Strompreise sinken bei Laufzeitverlängerung

    Wird der Kernenergieausstieg nicht vollzogen, können die gebildeten Rückstellungen u.a. für den Rückbau der Anlagen gestreckt werden. Die Anlagen produzierten am "goldenen Ende", was zu sinkenden Strompreisen führt. Davon ist jedenfalls der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft überzeugt.

  • Hochspannungsmasten

    Union erwartet stabile Strompreise durch längere KKW-Laufzeiten

    Gewinnen die Christdemokraten im Herbst die Wahl, werden die Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke verlängert. So viel ist sicher, denn davon verspricht sich die Union mindestens stabile, wenn nicht gar sinkende Strompreise. Grund: Nur mit Kernkraftwerken könne Strom weiterhin preiswert produziert werden.

  • Strom sparen

    Biblis: Defekte und Schiffsunfall an einem Tag

    Das RWE-Atomkraftwerk Biblis bleibt ein Pannenreaktor: Nachdem am vergangenen Dienstag bei der Kollision eines Frachtschiffes mit einem Kühlwasserbecken des Reaktors erheblicher Schaden angerichtet wurde, gab es an dem Tag drei weitere Zwischenfälle, die allerdings erst am Freitag bekannt wurden.

Top