Blockade

Großmann kritisiert fehlende Handlungsmöglichkeiten in Deutschland

RWE-Chef Jürgen Großmann kritisiert die die fehlende Möglichkeit zum unternehmerischen Handeln in Deutschland. " Es herrscht ein emotionaler Konsens in dieser Gesellschaft, dass jegliches Handeln meiner Branche Teufelswerk ist", schreibt Großmann in einem Gastbeitrag für das Kölner Wirtschaftsmagazin "impulse".

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Köln (red) - "Der Protest ist eine boomende gesellschaftliche Ausdrucksform", so Großmann, dies sei "schön", aber "es erleichtert das Führen von Unternehmen nicht, schon gar nicht im Energie-Sektor". Unternehmerisches Handeln sei praktisch unmöglich.

Weg von "Standards"

Einst habe er " ich tatsächlich an Ideale wie die Freiheit des Unternehmers geglaubt", so der RWE-Chef. "Seitdem es zu meinen Aufgaben gehört, langfristig Energie zu erzeugen, bin ich recht ernüchtert." Ein zentraler Begriff unserer Tage sei "Standard". " Der Standard scheint alle Risiken auszuschließen, er gibt Sicherheit", dies sei jedoch ein kapitaler Fehler, "denn Neues kann nur entstehen, wenn man eben diese Standards bisweilen aufgibt."

Seine Kritik richtet sich insbesondere gegen die Energiepolitik in Bund und Ländern. " Uns Energieversorgern wurde, gelegentlich auch durchaus zu Recht, über Jahre hinweg vorgeworfen, wir seien unbeweglich und wollten nur unsere alten Mühlen auspressen", kritisiert Großmann im " impulse"-Beitrag. "Nun wollen wir uns bewegen, wir wollen Neues versuchen. Aber man lässt uns nicht."

Blockade der Politik

Die Blockade der Politik zeige sich beispielsweise in der Diskussion um den Energie-Mix. "Wir wollen günstigen Strom, eine hohe Versorgungssicherheit und möglichst geringe CO2-Emissionen", so Großmann. "Die Kernkraft liefert günstigen, sicheren Strom und belastet das Klima wenig. Aber Deutschland will den Ausstieg. Die Braunkohle ist der einzige Rohstoff, den wir in nennenswertem Umfang und zu günstigen Gewinnungskosten in Deutschland besitzen. Strom daraus ist günstig und sicher. Aber die Emissions-Bilanz ist nicht optimal."

Manche würden das Heil deshalb in Gaskraftwerken sehen. "Erdgas aber ist wie Erdöl ein fossiler Brennstoff, es ist mindestens genau so preissensibel und muss in großem Umfang importiert werden", so Großmann. "Bleiben Sonne, Wasser, Wind. Doch unser Netz ist nicht auf die Schwankungen eingestellt, die ein unberechenbarer Lieferant wie der Wind nun mal mit sich bringt. Neue Leitungen in Deutschland? Leider sehr schwierig durchzusetzen."

Der Unternehmer appelliert an die Verantwortlichen in Berlin und in den Bundesländern: "Was wir aber jetzt brauchen, ist der Mut für Wege, deren Ende möglicherweise noch im Nebel liegt. Manche Lösungen ergeben sich erst unterwegs."

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