Greenpeace stellt Konzept zur Stromkennzeichnung vor

Europaweite Liberalisierung, Zwischenhändler, Strombörsen - die Wege des Stroms werden zunehmend unkenntlicher. Sven Teske, Energieexperte bei der Umweltschutzorganisation Greenpeace, fordert nun: "Das Verbraucherrecht auf Information muss auch für Stromrechnungen gelten".

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Greenpeace hat heute in Berlin ein Konzept zur Kennzeichnung von Strom vorgestellt. Danach sollen künftig die Erzeugungsart des Stroms, die damit verbundenen Umweltauswirkungen - etwa Kohlendioxidemission oder Atommüllproduktion - sowie das Herkunftsland auf jeder Stromrechnung stehen.

Durch die Liberalisierung des Strommarkts in ganz Europa werden bekanntlich immer größere Teile des Geschäfts über Zwischenhändler und Strombörsen abgewickelt. Dadurch, so Greenpeace, werde die Herkunft des Stroms zunehmend verschleiert - ergo steige der Anteil aus unbekannter Herkunft kontinuierlich. Mittlerweile gäben die großen Stromkonzerne E.ON, RWE und EnBW für rund die Hälfte ihres verkauften Stromes keine Energiequellen mehr an.

"Auf jedem Schokoriegel muss draufstehen, was drin ist. Stromkonzerne verkaufen indes die Katze im Sack. Sie verschweigen Ihren Kunden, von welchen Kraftwerken sie ihren Strom kaufen", kritisiert Greenpeace Energie-Experte Sven Teske die Entwicklung auf den Strommärkten. "Die Verbraucher haben ein Recht auf Information. Alle Stromhändler müssen verpflichtet werden, auf Stromrechnungen und in der Werbung künftig offen zulegen, wo und aus welchen Quellen sie ihre Energie einkaufen", führte Teske aus.

Die europäische Kommission will zur Zeit die seit 1996 gültige Richtlinie für die Liberalisierung der Strommärkte ändern. Damit sei ein wichtiges Grundrecht des Verbrauchers, wie das "Recht auf Information", in "akuter Gefahr", bemängelt die Umweltorganisation. Das Europaparlament hat im März durchgesetzt, dass eine Kennzeichnungspflicht für Strom in den Entwurf der neuen Richtlinie aufgenommen worden ist. Es sei jedoch zu befürchten, dass auf Initiative der EU-Mitgliedsstaaten die Stromkennzeichnung wieder gekippt werden soll.

"Das Bundeswirtschaftsministerium hat bislang keine klare Position dazu, wie eine Stromkennzeichnung in Europa geregelt werden soll", sagte Teske. Und: "Wir fordern Bundeswirtschaftsminister Müller auf, sich bei den in Kürze stattfindenden Gesprächen im spanischen Pamplona und in Luxemburg für eine europaweite Kennzeichnungspflicht und für eine Vorrangregelung für sauberen Strom auszusprechen".

Eine Kennzeichnungspflicht, wie sie Greenpeace fordert, ist in 21 Staaten der USA bereits Pflicht beziehungsweise in Vorbereitung. Auch in Österreich besteht seit Oktober vergangenen Jahres eine Kennzeichnungspflicht für Strom. Ähnlich wie bei Lebensmitteln müssen Stromhändler dort die Zusammensetzung ihres Strommixes auf der Rechnung angeben. Angesichts der zunehmenden Atomstromimporte aus dem Ausland fordert Greenpeace, dass die Kennzeichnung des Stroms in Europa schon mit der Stromwerbung beginnen muss.

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