Greenpeace fordert bundesweites Wärmeschutzprogramm für Wohnbauten

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com
Greenpeace übergibt heute dem Bundesbauministerium in Berlin ein überdimensionales "Schwarzbuch der Wärmedämmung", das die enorme Energieverschwendung in Wohnbauten dokumentiert. Die Aktivisten haben vor dem Eingang des Ministeriums eine 2,5 Meter hohe Mauer aus 75 Dämmstoff-Paketen errichtet mit der Aufschrift "Dämm it". Auf einem Transparent ist der Vorwurf zu lesen: "Klimaschutz: Alles heiße Luft". Die Umweltorganisation fordert von Bauminister Klimmt ein bundesweites Wärmeschutzprogramm für Wohnbauten, um den Klimaschutz voranzubringen.


Das "Schwarzbuch der Wärmedämmung" zeigt mit Infrarotbildern von Wohnbauten in 22 Städten den Wärmeverlust an Gebäuden. Die Aufnahmen wurden während einer Thermographie-Tour seit Mitte Februar mit einer wärmeempfindlichen Kamera gemacht, die die Wärmelecks deutlich rot hervorhebt. Das Ergebnis ist alarmierend: "Haushalte in Deutschland verschlingen den Löwenanteil ihrer Energie durch Heizung", sagt Jan Rispens, Energieexperte bei Greenpeace. "Die Bilder belegen, dass das meiste davon ungenutzt nach Draußen entweicht. Vor allem ältere Wohnbauten sind durch schlecht gedämmte Fassaden die größten Energieverschwender." In vielen Städten bietet sich das gleiche Bild: Balkons sehen auf Infrarot-Bildern aus wie aufgeheizte Kühlrippen, weil die Wärme über den Beton nach Außen geleitet wird. Heizkörper zeichnen sich auf den Bildern so deutlich ab, als wären sie auf der Außenwand angebracht. Am höchsten sind die Wärmeverluste oft bei unsanierten Plattenbauten. Wie bei den anderen Stationen der Tour sind es auch in Berlin vor allem die Wohnbauten aus den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren, in denen eine Unmenge von Energie verheizt wird.


Ein bundesweites Wärmeschutzprogramm für Wohnbauten müsste den Kern des angekündigten Klimaschutzpaketes der Bundesregierung bilden. Auf der internationalen Klimakonferenz im Oktober 1999 in Bonn hatte Bundeskanzler Schröder für den Sommer 2000 einen Maßnahmenpaket für den Klimaschutz angekündigt. Rispens: "Energiesparen ist Klimaschutz. Wenn man bedenkt, dass in Deutschland etwa Dreiviertel aller Wohnungen älter als 20 Jahre sind, erkennt man, wie viel Energie sich einsparen lässt. Solange die Gebäude aber nicht großflächig saniert werden, werden sie immer der Bremsklotz im Klimaschutz sein."


Auch das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie hatte in einer Studie für Greenpeace das Einsparpotenzial gezeigt: Bis zum Jahr 2020 könnten mit einem umfassenden Wärmedämmungsprogramm 58 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen der Wohnungsbeheizung eingespart werden. Von 2005 bis 2020 könnten zusätzlich etwa 400.000 Arbeitsplätze im Bau- und Zuliefergewerbe sowie in anderen Wirtschaftbranchen entstehen.


(ots)

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