Greenpeace: Blauer Engel für Strom ungeeignet / Antrag auf Umweltzeichen zurückgezogen

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com
Greenpeace hat heute seinen Antrag auf die Vergabe des Umweltzeichens "Blauer Engel" für umweltfreundlichen Strom zurückgezogen. "In Sachen Strom wird der Blaue Engel den Verbrauchern leider keine wirkliche Orientierung bieten", sagt Greenpeace-Energieexperte Sven Teske. Da das zuständige Umweltbundesamt (UBA) nicht in der Lage ist, ein verlässliches Label für Öko-Strom einzuführen, fordert Greenpeace eine generelle Kennzeichnungspflicht für Strom, wie sie im US-Bundesstaat Kalifornien üblich ist.


Greenpeace hatte beim UBA im Oktober 1998 die Einführung eines Blauen Engels für umweltfreundlich erzeugten Strom vorgeschlagen und einen entsprechenden Antrag gestellt. Die jetzt vom UBA nach anderthalb Jahren Bearbeitungszeit vorgelegten Kriterien für die Vergabe eines "Strom-Engels" aber sind völlig unzureichend. Die zentrale Frage im Greenpeace-Antrag, ob der Stromanbieter die technischen Grundvoraussetzungen für die Stromversorgung des Kunden - die zeitgleiche Durchleitung des Stroms - erfüllen kann, will das UBA nicht überprüfen. Wenn aber diese Bedingung nicht erfüllt ist, kann der Kunde nicht seinen Stromversorger wechseln. Einem Strom-Produzenten kann ohne diese Prüfung nicht nachgewiesen werden, ob er die von seinen Kunden verbrauchte Menge sauberen Stroms tatsächlich zum Zeitpunkt des Verbrauches in das Stromnetz eingespeist hat. Keine Kriterien gibt es außerdem für Wasserkraft-Strom, der nicht immer ökologisch produziert wird. Auch ein festgeschriebener Mindestanteil für Solarstrom fehlt. Viel zu mager ist zudem die Neubau-Bestimmung ausgefallen: ein Unternehmen mit dem "Strom-Engel" müsste pro Kilowattstunde nur zwei Pfennige in den Neubau umweltfreundlicher Stromanlagen investieren. "Die Verbraucher haben ein Recht zu erfahren, wo und aus welchen Quellen ihr Energieversorger den Strom einkauft. Der europaweit anerkannte Blaue Engel hätte ein wichtiges Instrument für die Markteinführung von sauberem Strom sein können. Doch der Engel musste zu viele Federn lassen," resümiert Sven Teske.


Die von Greenpeace geforderte Kennzeichnungspflicht ist in Kalifornien bereits Realität. Ähnlich wie bei Lebensmitteln müssen Stromhändler dort die Herkunft und die Zusammensetzung ihrer Stromlieferung auf der Rechnung angeben. Allerdings sollte die Kennzeichnung des Stroms in Europa schon mit der Stromwerbung beginnen. Eine transparente Kundeninformation wird gerade angesichts der zunehmenden Atomstrom-Importe aus dem Ausland immer wichtiger.

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