Vergangenheit und Zukunft

Greenpeace begrüßt Abschaltung des Reaktors Obrigheim

37 Jahre war das baden-württembergische Atomkraftwerk Obrigheim am Netz, dieser Tage nun wird der Reaktor bei Heilbronn abgeschaltet. Mit einem Banner mit der Aufschrift "Nur Aus ist sicher" begrüßte Greenpeace gestern die Abschaltung des Atomkraftwerks - und fragt zugleich, wie der Stromersatz in Zukunft aussehen wird.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Obrigheim (red) - "Obrigheim: Nur aus ist sicher" stand auf einem Banner, das Greenpeace-Aktivisten am gestrigen Donnerstag in den Morgenstunden vor dem baden-württembergischen Atomkraftwerk Obrigheim aufstellten. Mit der Aktion wollte die Umweltschutzorganisation auf die in den kommenden Tagen anstehende Abschaltung "eines der gefährlichsten deutschen Atomkraftwerke" aufmerksam machen.

Ein Konzept für den Stromersatz gebe es jedoch weder für Obrigheim noch für andere Atomkraftwerke, die im Rahmen des "Atomkonsens" vom Netz gehen sollen. Greenpeace appellierte daher an die Bundesregierung, von den großen Stromversorgern EnBW, Vattenfall, RWE und E.ON konkrete Pläne einzufordern, wie der Atomstrom durch erneuerbare Energien ersetzt werden soll.

Obrigheim hatte eigentlich Ende 2002 vom Netz gehen sollen, doch kurz nach der Bundestagswahl 2002 hatte der Betreiber EnBW beantragt, die Laufzeit zu verlängern. Trotz des ohnehin industriefreundlichen "Atomkonsenses", warf Greenpeace der Regierung vor, sei diese "eingeknickt", so dass Obrigheim bis heute 37 Jahre am Netz sei.

"Die Frage ist nun: Wie wird Obrigheim ersetzt?", so Thomas Breuer, Atomexperte bei Greenpeace. Erste Überlegungen seitens des Managements gingen dahin, alte Kohle- und Ölkraftwerke "aus der Mottenkiste zu holen". Ein konkretes Konzept zum Ersatz von Obrigheim habe es bei der offiziellen Bekanntgabe der Abschaltung wohl nicht gegeben, obwohl der Abschalttermin seit spätestens 2002 bekannt sei. "Es drängt sich der Verdacht auf, dass EnBW auf einen Regierungswechsel nach den Bundestagswahlen 2006 spekuliert", so Breuer - denn der Abbau des Atomkraftwerkes soll erst 2007 erfolgen, also nach den Bundestagswahlen.

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