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Gorleben-Proteste: Reaktionen und neue Ankündigungen

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat die teilweise gewaltsamen Proteste vom Freitag am Gorlebener Endlagerbergwerk verurteilt. Indes kündigten Umweltschützer am Samstag weitere Proteste an. Dazu soll ein "Tag der offenen Tür" am kommenden Wochenende dienen.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Gorleben/Salzgitter (ddp/red) - Sachbeschädigungen, wie sie von einigen Demonstranten auf dem Gelände verübt wurden, seien nicht akzeptabel, sagte BfS-Sprecher Florian Emrich am Samstag der Nachrichtenagentur ddp. Sie trügen nicht zu einer konstruktiven Debatte über die ungelöste Endlagerfrage bei.

Gegenüber friedlichen Protesten zeige sich das Bundesamt wie in der Vergangenheit "stets offen und dialogbereit", sagte Emrich. Das BfS habe während der Demonstration am Freitag deeskalierend gewirkt, so dass die eingedrungenen Demonstranten ihre Aktion friedlich beendet hätten.

Das Bundesamt ist Betreiber des Erkundungsbergwerks und übt auf dem Gelände das Hausrecht aus. Am Freitag hatten Hunderte Atomkraftgegner mehrere Bereiche und Gebäude des Endlagerbergwerks besetzt und dabei auch Zäune durchtrennt. Anlass für die Aktion waren Berichte, dass der Gorlebener Salzstock in den vergangenen Jahren bereits weitgehend zu einem fertigen Endlager ausgebaut wurde.

Wie am Pfingstsamstag außerdem bekannt wurde, wollen Atomkraftgegner beim Tag der offenen Tür des BfS am kommenden Samstag die Behörde mit offenen Fragen zum Ausbau des Salzstocks Gorleben konfrontieren. Die Umweltschützer forderten insbesondere eine "präzise Kostenaufstellung", sagte am Dienstag der Sprecher der Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, Wolfgang Ehmke. "Wie hoch waren die Kosten für die Erkundung, mit welcher Summe schlug der Ausbau zu einem geplanten Endlager zu Buche?"

Die Umweltschützer vermuten, dass der Gorlebener Salzstock unter dem Deckmantel der Erkundung bereits seit Jahrzehnten zum Endlager für hoch radioaktiven Atommüll ausgebaut wird. Sie sehen sich durch Aussagen des BfS bestätigt, wonach die Kosten für die Erkundung eines Endlagers bei 400 bis 500 Millionen Euro liegen. In Gorleben wurden bislang aber schon rund 1,5 Milliarden Euro investiert. Am vergangenen Samstag hatten Hunderte Demonstranten das Endlagerbergwerk in Gorleben gestürmt und für mehrere Stunden besetzt.

Das BfS mit Sitz in Salzgitter richtet den Tag der offenen Tür anlässlich seines 20-jährigen Bestehens aus. Bei der Veranstaltung können sich Besucher beispielsweise über die Strahlenbelastung beim Fliegen informieren oder die Strahlung ihres Handys messen lassen. Außerdem werden Fachvorträge und Besichtigungen des geplanten Endlagers Schacht Konrad angeboten. Das Bundesamt betreibt unter anderem die Atommülllager Asse (Niedersachsen) und Morsleben (Sachsen-Anhalt) sowie das Erkundungsbergwerk in Gorleben. Außerdem ist das BfS Genehmigungsbehörde für Castortransporte. Der Tag der offenen Tür dauert von 10 bis 16 Uhr.

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