Protest

Gorleben-Moratorium endet offiziell

Am heutigen 1. Oktober endet das Moratorium in Gorleben. Die bevorstehende Wiederaufnahme der Erkundung des Salzstocks als mögliches Atommüll-Endlager befeuert den Streit über eine Eignung des Standortes. Die Gorleben-Kritiker sahen sich am Donnerstag durch die Aussage des Endlager-Experten Ulrich Kleemann in ihrer Haltung bestätigt.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Gorleben (dapd/red) - Atomkraftgegner aus dem Wendland kündigten für Samstag (2. Oktober) einen "Unruhetag" an. Nach Angaben der Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg sind an allen Hauptverkehrstraßen des Landkreises Lüchow-Dannenberg Protestaktionen geplant. Demonstriert werde unter anderem mit Tanzstunden, Fahrradrallyes, öffentlichen Chorproben und Kaffeetafeln. Auch die atomkraftkritische Bäuerliche Notgemeinschaft will sich mit Traktoren an den Demonstrationen beteiligen.

Das Moratorium in Gorleben endet offiziell am heutigen Freitag. Als Voraussetzung dafür haben die Niedersächsischen Bergbehörden einen Rahmenbetriebsplan aus dem Jahr 1983 wieder in Kraft gesetzt. Die zehn Jahre unterbrochenen Arbeiten unter Tage sollen nach dapd-Informationen aber erst ab dem 18. Oktober weitergehen.

Unterdessen sehen sich die Oppositionsparteien in ihrer Kritik an der Auswahl des Standortes Gorleben bestätigt. Nach der Aussage des Endlager-Experten Ulrich Kleemann im Gorleben-Untersuchungsausschuss am Donnerstag seien die wissenschaftlichen Zweifel an der Eignung des Salzstocks Gorleben deutlich gewachsen, sagte die Obfrau der Grünen in dem Kontrollgremium, Sylvia Kotting-Uhl. Der von Union und FDP benannte Zeuge habe "erhebliche Sicherheitsrisiken überzeugend dargestellt". Der Geologe war von 2005 bis Frühjahr 2010 beim Bundesamt für Strahlenschutz als Fachbereichsleiter für die Endlagersuche zuständig.

Nach Angaben der Linken-Abgeordneten Kornelia Möller hat Kleemann auch erklärt, dass er die möglichen Gasvorkommen unterhalb des Salzstocks für eines der dringlichsten Probleme überhaupt halte. Eine Fortsetzung der Arbeiten in Gorleben zum 1. Oktober sei "unter diesen Umständen undenkbar", sagte Möller. Dass es im Bereich des Salzstocks größere Gas- und auch Ölvorkommen gibt, war erst vor wenigen Wochen öffentlich bekannt geworden.

Aus Sicht des Obmanns von CDU und CSU, Reinhard Grindel, hat die Zeugenvernehmung dagegen ergeben, dass Gorleben von unabhängigen Wissenschaftlern schon frühzeitig als ein möglicher Endlagerstandort geprüft wurde. Die "Verschwörungstheorien" über Gorleben seien damit widerlegt. Kleemann habe auch bestritten, dass es sich bei Gorleben um einen "Schwarzbau" handele und damit Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin widerlegt.

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