Untersuchungen

Gorleben aus geowissenschaftlicher Sicht als Endlager geeignet (Upd.)

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hält den Salzstock bei Gorleben grundsätzlich für geeignet als Endlager für hochradioaktiven Atommüll. Laut der Behörde sei weltweit kein Standort für ein mögliches Atommüllendlager besser untersucht worden als Gorleben.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Hannover (ddp/sm) - Zwar sei die Erkundung des Salzstocks noch nicht abgeschlossen. Nach bisherigen Untersuchungen gebe es aus geowissenschaftlicher Sicht aber "keine Erkenntnisse", die gegen eine Eignung des Salzstocks für die Endlagerung radioaktiver Abfälle sprächen, teilte die Behörde heute mit.

Laut Bundesanstalt steht das Salz "in ausreichendem Maß als potenzielles Wirtsgestein für die Endlagerung radioaktiver Abfälle zur Verfügung". Dies sei bereits aufgrund der Auswertung der übertägigen Erkundungsbohrungen prognostiziert worden.

Nach Angaben der BGR ist der Salzstock Gorleben der weltweit am besten untersuchte Standort für ein Endlager radioaktiver Abfälle. In Gorleben wurde zwischen 1979 und 2000 über- und untertägig erkundet. Im Rahmen ihres Atomabkommens mit der Stromwirtschaft ließ die rot-grüne Bundesregierung die Arbeiten in Gorleben im Jahr 2000 unterbrechen, das Moratorium gilt bis längstens 2010.

BfS: Noch keine endgültige Aussage treffen

Dagegen wies das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) daraufhin, dass wesentliche Punkte des Verfahrens noch ausstehen, um die Eignung von Gorleben festzustellen. "Deshalb lässt sich heute noch keine Aussage treffen, ob Gorleben als Endlager für hoch radioaktive Abfälle geeignet sein könnte", sagte BfS-Sprecher Werner Nording.

Grüne kritisieren Aussagen der Bundesanstalt

Die niedersächsischen Grünen haben die BGR scharf kritisiert, die Stellungnahme der Behörde gebe Anlass "für berechtigte Zweifel an der wissenschaftlichen Seriosität", sagte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel. Die Bundesanstalt stelle bereits "Blankoschecks" aus.

"Bei dem Salzstock in Gorleben scheint es sich um eine ähnliche Tropfsteinhöhle zu handeln, wie bei der Asse", so Wenzel. Dies belegten mehrere Expertisen über Laugenfunde, Laugeneinschlüsse und Gasblasen. Zudem fehle ein schützendes Deckgebirge. Auf dem Salzstock stünden bis über 100 Meter mächtige grundwasserführende Schmelzwassersande. Die diversen Schichtungen wiesen Risse und Klüfte auf. "Das erinnert in fataler Weise an die ersten Befunde aus der Asse. Und die Wissenschaftler, die die Asse für sicher erklärt haben, waren auch die großen Wortführer beim Standort Gorleben", sagte der Grünen-Politiker.

Bayern fordert Wiederaufnahme der Erkundungsarbeiten

Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU) forderte am Dienstag bereits die umgehende Wiederaufnahme der Erkundungsarbeiten in Gorleben. Erneut hätten führende Wissenschaftler Gorleben ein gutes Zeugnis als Endlager für hoch radioaktiven Atommüll ausgestellt, sagte der Minister. Die Suche nach weiteren Standorten bezeichnete er als "Steuerverschwendung und reine Verzögerungstaktik auf Kosten der Stromkunden".

Nach mehr als 20 Jahren und Investitionen von 1,5 Milliarden Euro müsse die SPD die wissenschaftlichen Erkenntnisse akzeptieren. Dem Bundesumweltministerium warf er vor, seit 1998 "mit immer neuen Konzepten, Arbeitskreisen, Fragestellungen und Standort-Suchideen" die weiteren Erkundungsarbeiten in Gorleben zu verhindern.

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