Gnadenfrist für alte Stromwirtschaft vorbei - KaWatt will Netzbetreibern Kosten in Rechnung stellen

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com
Gestern haben sich Vertreter der Stromwirtschaft im Bundeswirtschaftsministerium zu einem ersten Gespräch getroffen (das strom magazin berichtete, bitte lesen Sie hier). In dessen Verlauf diskutierten die Vertreter des Freien Energiedienstleister Verbandes (FEDV), der Vereinigung der Deutschen Elektrizitätswerke (VDEW), des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) und der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AgV) über die Wettbewerbsbehinderungen der Alt-Monopolisten. "Einzelne Stadtwerke versuchen mit bis zu 40-seitigen Vertragswerken einen Privathaushalt am Wechsel des Stromanbieters zu hindern, andere erkennen in der Praxis noch nicht einmal die von selbst erstellte Verbändevereinbarung an. Wie soll da Wettbewerb funktionieren", hinterfragte Robert H. Kyrion vom FEDV. Seine Bilanz: "Von den Vertretern der VDEW und VKU wurde es abgelehnt, die Verbandsmitglieder zu Nachvollziehbarkeit und Offenlegung der Netznutzungsentgeltkalkulation aufzufordern. Dabei ist die Offenlegungspflicht - und somit auch Transparenz - eine der Grundforderungen des Energiewirtschaftsgesetzes." Auch die klare Trennung von Erzeugung, Netzbetrieb und Vertrieb bekam eine neue Nuance: "Neuerdings werden sogenannte Netzvertriebskosten der Netzbetreibung zugeordnet. Das ist ein klarer Verstoß gegen die gesetzliche Vorschrift der strikten Trennung der einzelnen Bereiche."


Kyrion weiter: "Auf der Sitzung wurde ebenfalls bekannt, dass es tatsächlich eine (Verwaltungs-)Pauschale oder Aufwandsvergütung für wechselwillige Kunden gibt, welche der neue Stromanbieter nach Ansicht der Netzbetreiber für deren internen Aufwand eines Wechsels zu tragen hat. Diese Kosten werden dem eigenen Vertrieb natürlich nicht in Rechnung gestellt, sondern nur einem neuen Stromanbieter. Das widerspricht der Diskriminierungsfreiheit." Er will sich das nicht mehr länger gefallen lassen und kündigt für seine Kölner KaWatt AG eine ähnliche Vorgehensweise an: "Wir beabsichtigen zukünftig unsere Aufwendungen für den Kundenwechsel den Netzbetreibern in gleichem Maße in Rechnung zu stellen. Gleiches Recht für alle. Vielleicht erkennt man dann, dass die Monopolzeiten der uneingeschränkten Selbstbedienung vorbei sind", zeigt sich Kyrion kampfeslustig. Immer interessanter werde auch der Umstand, dass Netzbetreiber bei Gewerbekunden die Kosten für kundeneigene Transformatoren in den bis dato sowieso schon zu hohen Netznutzungsentgelten in Rechnung stellten. "Diese sind entweder selbst angeschafft oder über die Baukostenzuschüsse bezahlt worden. Auch der Privatkunde hat übrigens das Recht, seinen Zähler selbst zu stellen und so durch die eingesparten Kosten seinen Strompreis auf Dauer zu senken", klärt Kyrion auf. Er hofft auf ein erfolgreicheres Treffen Ende November. "Vielleicht zur Abwechslung mit produktiven Ansätzen und Zugeständnissen im Sinne aller Verbraucher nach mehr als 2 Jahren verschleppter Liberalisierung."

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