Versorgungssicherheit

Glos will über Atomausstieg "neu nachdenken"

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) will vor dem Hintergrund des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine über den Atomausstieg "neu nachdenken". Glos sagte am Montag im WDR, man müsse auf in Deutschland verfügbare Energiequellen setzen.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Köln (ddp) - Die Grünen weisen den Vorstoß von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) für ein Überdenken des Atomausstiegs entschieden zurück. Die Forderung, den Atomausstieg rückgängig zu machen, sei "ein Griff in die energiepolitische Mottenkiste", kritisierten der Grünen-Energieexperte Hans-Josef Fell und Grünen-Fraktionsvize Reinhard Loske am Montag in Berlin. Statt auf erneuerbare Energien sowie Energieeffizienz und Energieeinsparung zu setzen, wolle Glos an veralteten Technologien festhalten.

Damit gefährde der Wirtschaftsminister die Sicherheit in Deutschland und den Klimaschutz weltweit, warnten die Grünen-Politiker. Deutschland brauche "für die Sicherheit der Energieversorgung mehr Bioenergien und Energieeinsparung, aber weniger Kohle und Atom".

Glos hatte erklärt, vor dem Hintergrund des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine über den Atomausstieg "neu nachdenken" zu wollen. Man müsse auf in Deutschland verfügbare Energiequellen setzen, mahnte der CSU-Politiker im WDR. Neben Steinkohle seien dies Atomkraftwerke, die von der alten rot-grünen Bundesregierung aus "politischen Gründen zum Abschalten verurteilt" worden seien. Der Ressortchef forderte, noch einmal zu überlegen, was getan werden könne, um in der Energieversorgung nicht komplett abhängig zu werden.

Loske und Fell betonten, Deutschland müsse insgesamt unabhängiger von Energieimporten werden und mehr Energie selbst produzieren beziehungsweise einsparen. Die Bundesregierung müsse deshalb den Ausbau der erneuerbaren Energien fortsetzen und zügig ein Gesetz zur Förderung regenerativer Wärme vorlegen.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Erde

    Studie: Mehr Geld für konventionelle Energien als für Ökostrom

    Einer Kurzanalyse zufolge werden konventionelle Energien im kommenden Jahr deutlich stärker gefördert als erneuerbare Energieträger. Demnach läge eine Umlage für Atom- und Kohlestrom deutlich über der EEG-Umlage.

  • Netzausbau

    Energiesektor: Mehr Geld für Atomkraft - Stillstand bei Ökostrom

    Im Energiesektor wurde global betrachtet 2015 wieder deutlich mehr in Atomkraft investiert. Auch für alte Kohlemeiler wurde viel Geld ausgegeben. Bei Öl und Gas war ein Rückgang zu beobachten, während bei den Erneuerbaren der Geldfluss unverändert blieb.

  • Stromtarife

    Russischer Gasstreit könnte auch zu Einschränkungen in Deutschland führen (Upd.)

    Der Streit zwischen Russland und der Ukraine um den Preis für Erdgaslieferungen könnte sich auf mittlere Sicht auch auf Deutschland auswirken. Das machte der größte deutsche Erdgasimporteur E.ON Ruhrgas, der knapp ein Drittel seiner Lieferungen aus Russland bezieht, am Neujahrstag deutlich.

  • Energieversorung

    Deutsche Gasversorgung nicht in Gefahr / Speicher reichen 75 Tage

    Die Versorgung Deutschlands mit Erdgas ist ungeachtet des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine auf absehbare Zeit gesichert. Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums verwies am Freitag in Berlin auf die Möglichkeit des Umstiegs auf andere Quellen im Fall eines Exportstopps.

  • Stromtarife

    Bundesregierung: 12,4 Millionen nach Tschernobyl

    Umweltministe Gabriel hat der Ukraine weitere 12,4 Millionen Euro zur Überwindung der Folgen des verheerenden Reaktorunfalls von Tschernobyl zugesagt. Die Finanzmittel sind für den Sarkophag bestimmt, der den sicheren Einschluss der Reaktorruine und ihre Abkapselung vor der Umwelt gewährleisten soll.

Top