Option: Kernenergie

Glos: Gas wird sich weiter verteuern

Auf der 13. Handelsblatt-Jahrestagung Energiewirtschaft, die momentan in Berlin stattfindet, hat Wirtschaftsminister Michael Glos seine Forderung bekräftigt, den Ausstieg aus der Atomenergie zu überdenken. Gleichzeitig kündigte er an, sich mit der Preis- und Wettbewerbssituation in Deutschland zu beschäftigen.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - In seiner ersten energiepolitischen Grundsatzrede hat sich Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) erneut für eine Verlängerung der Restlaufzeiten von Atomkraftwerken ausgesprochen. Deutschland brauche einen breiten und ausgewogenen Energiemix, sagte Glos am Dienstag in Berlin. Zentrale Ziele seiner Energiepolitik seien Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Umweltverträglichkeit.

"Wir müssen dabei auch über die Rolle der Kernenergie nachdenken", forderte Glos. Die Koalitionsvereinbarung schließe eine Diskussion darüber nicht aus. "Ich will hier nicht den Ausstiegsbeschluss in Frage stellen, sondern nur die Fakten angesichts einer veränderten Lage klären", sagte er. "Wir müssen deshalb vorbehaltlos darüber reden, wie wir die Vorteile und Risiken sehen", fügte der CSU-Politiker hinzu.

Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine habe die Wichtigkeit von Versorgungssicherheit deutlich gemacht. "Wenn wir aus der Kernenergie aussteigen, müssten die restlichen 80 Prozent Strom durch die fossilen Energieträger Gas, Stein- und Braunkohle erzeugt werden", gab der Minister zu bedenken. Der Anteil von Erdgas an der Stromerzeugung würde sich dann deutlich erhöhen. "Mit Blick auf die Gasturbulenzen frage ich mich wirklich, ob eine solche Entwicklung tragfähig ist", sagte Glos.

Grundsätzlich rechnet Glos mit weiter steigenden Gaspreisen. Um eine Entlastung für die Verbraucher nicht nur bei den gestiegenen Gas-, sondern insgesamt bei den Energiepreisen zu erreichen, setzt Glos auf die bestehenden Gesetze und einen verstärkten Wettbewerb. Dabei hoffe er vor allem auf die konsequente Umsetzung des Energiewirtschaftsgesetzes, die Regulierung der Strom- und Gasmärkte durch die Bundesnetzagentur, die Einführung einer Anreizregulierung sowie einen verstärkten Wettbewerb. Doch auch hier könnte ein längerer Einsatz der Kernenergie "uns ja vielleicht entlasten".

Gegenüber seinem Kabinettskollegen, Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), dessen Ressort sich die Zuständigkeit für die Energiepolitik mit dem Wirtschaftsministerium teilt, machte Glos einen Führungsanspruch deutlich. "Energiepolitik ist in aller erster Linie Wirtschaftspolitik", unterstrich Glos. Sie müsse dem Wachstumsziel und dem Wirtschaftsstandort Deutschland verpflichtet sein.

Glos sprach sich für einen "breiten und ausgewogenen Energiemix aus Öl, Gas, Steinkohle, Braunkohle, Kernenergie und erneuerbaren Energien" aus. An dem "ambitionierten und anspruchsvollen" Ziel, bis 2020 mindestens 20 Prozent des Strombedarfs aus alternativen Energien zu decken, werde festgehalten. Allerdings werde die Förderung der erneuerbaren Energien überprüft. Zudem müssten die Energieeffizienz erhöht und Energieeinsparungen vorangetrieben werden. Zur Verringerung der Abhängigkeit vom Öl warb Glos für die Förderung von Biotreibstoffen. Die Energieforschung solle zudem "deutlich besser" ausgestattet werden als bisher. Darüber hinaus will Glos die internationale Zusammenarbeit im Energiebereich weiter ausbauen.

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