Statistik

Gestiegene Rohölpreise belasten private Haushalte

Die stark gestiegenen Rohölpreise dürften das Budget der privaten Haushalte in Deutschland im Jahr 2004 schätzungsweise mit knapp 2,4 Milliarden Euro Mehrkosten für Brenn- und Kraftstoffe belasten. Dies ergab eine Schätzung des Statistischen Bundesamtes im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Wiesbaden (ddp/sm) - Die stark gestiegenen Rohölpreise belasten das Budget der privaten Haushalte in Deutschland in diesem Jahr voraussichtlich mit knapp 2,4 Milliarden Euro. Dies ergab eine am Mittwoch veröffentlichte Schätzung des Statistischen Bundesamtes. Von Januar bis September seien die Rohölpreise auf Euro-Basis um durchschnittlich 33 Prozent - auf US-Dollar-Basis sogar um 44 Prozent - gegenüber dem Vorjahresdurchschnitt gestiegen.

Die Verbraucherpreise für Kraftstoff und Heizöl sind den Angaben nach allerdings in den ersten neun Monaten gegenüber dem Vorjahresdurchschnitt lediglich um 4,6 Prozent beziehungsweise 9,6 Prozent gestiegen. Der im Vergleich zu den Rohölpreisen niedrigere Anstieg dieser Verbraucherpreise sei vor allem auf die sehr hohe Steuerkomponente zurück zu führen: Da die Mineralöl- und Ökosteuer mengenabhängig erhoben werden, bleibe dieser Kostenbestandteil konstant und wirke sich bei einer Verteuerung des Grundstoffs Rohöl dämpfend auf die Verbraucherpreise von Kraftstoffen und Heizöl aus.

Zwei weitere Faktoren mildern die Auswirkungen der gestiegenen Rohölpreise am Weltmarkt auf die deutschen Haushalte, wie die Statistiker weiter mitteilten. Der gestiegene Kurs des Euro gegenüber dem US-Dollar wirke preisdämpfend auf die Einkaufspreise für Rohöl - anders als bei der Energieverteuerung 1999/2000. Damals waren die Rohölpreise auf US-Dollar Basis um knapp 60 Prozent, auf Euro-Basis dagegen - wegen der seinerzeitigen Schwäche des Euro - um mehr als 80 Prozent gestiegen. Außerdem hätten die gestiegenen Rohölpreise 2004 noch nicht zu Anpassungen der Gaspreise bei den Verbrauchern geführt. Die Ausgaben für Erdgas betrugen im Vorjahr rund 13,9 Milliarden Euro und machten damit fast ein Viertel der Ausgaben für Mineralöle und Gase aus.

Eine stärkere Belastung der Haushalte durch die gestiegenen Rohölpreise haben die Verbraucher zudem selbst abgewendet, hieß es weiter. Nach der Teuerungswelle 1999/2000 hätten sie "erheblich" bei Brenn- und Kraftstoffen gespart, einerseits durch Einschränkung der mengenmäßigen Nachfrage, andererseits durch verstärkte Nachfrage nach preiswerteren und effizienteren Energieträgern. So wurde vermehrt Dieselkraftstoff anstatt der Ottokraftstoffe nachgefragt, und beim Heizen hat Erdgas das Heizöl weiter zurück gedrängt. Im Jahr 2003 lag so die nachgefragte Kraftstoffmenge um zehn Prozent unter dem Niveau von 2000.

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