Deutschland Zweitbester

Germanwatch-Index zeichnet düsteres Bild vom Klimaschutz

Die Organisation Germanwatch zeichnet bei ihrem internationalen Klimaschutz-Ranking in diesem Jahr ein düsteres Bild: Es fehle sämtlichen 57 bewerteten Staaten an der Entschlossenheit zum entschiedeneren Kampf gegen die Erderwärmung, weshalb diesmal auf der Rangliste die Plätze eins bis drei nicht vergeben würden, erklärte die Organisation am Mittwoch bei der Vorstellung ihres Klimaschutz-Index 2009.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin (AFP/sm) - Immerhin belegte Deutschland aber mit Rang fünf den zweitbesten Platz nach Schweden. Der Index stuft die Länder nach ihrem Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) ein. Zusammen sind die Staaten laut Germanwatch für mehr als 90 Prozent der CO2-Emissionen weltweit verantwortlich.

Kein Land ist auf dem richtigen Weg

"Wäre der Klimaschutz eine olympische Disziplin, würde kein Land es verdienen, aufs Siegertreppchen zu steigen", mahnte Germanwatch. Bei keinem der bewerteten Länder seien die Klimaschutz-Bemühungen zufriedenstellend: Bislang sei nicht einer der 57 Staaten auf dem richtigen Weg, um die Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf maximal zwei Grad zu begrenzen. Dies ist Forschern zufolge unverzichtbar, um eine Klimakatastrophe zu verhindern.

Auf Schweden und Deutschland, die bereits im vergangenen Jahr das Spitzen-Duo bildeten, folgen diesmal Frankreich, Indien, Brasilien, Großbritannien und Dänemark. Schlusslichter sind Luxemburg, die USA, Kanada und Saudi-Arabien.

Als "besonders alarmierend" bezeichnete Germanwatch es, dass die Mehrzahl der zehn Staaten mit dem höchsten CO2-Ausstoß so schlecht abgeschnitten hätten - denn diese Länder stünden immerhin für knapp zwei Drittel der weltweiten Kohlendioxid-Emissionen. Gerade vom Engagement dieser Länder hänge es ab, ob in Zukunft ein gefährlich starker Klimawandel verhindert werden könne. Die zehn größten Emittenten sind demnach die USA, dicht gefolgt von China, sowie Russland, Indien, Japan, Deutschland, Großbritannien und Kanada, Südkorea und Italien.

Schlechte Noten für Österreich, Russland, USA und Kanada

In die Wertung floss zur Hälfte der Trend beim CO2-Ausstoß ein, 30 Prozent der Bewertung machte das aktuelle Emissionsniveau und die übrigen 20 Prozent die Klimaschutzpolitik aus. Während Schweden 66,7 von hundert Punkten holte, folgten Deutschland mit 65,3 und Frankreich mit 62,2 sowie die Schwellenländer Indien und Brasilien mit 62,1 und 61,4 Punkten. Als besonders besorgniserregend bezeichnete Germanwatch unterdessen die Resultate für Österreich (45,0), Russland (42,6), die USA (39,8) und Kanada (38,9). Diese vier Länder hätten bei allen Wertungskriterien schlecht abgeschnitten.

Germanwatch hofft aber darauf, dass die USA in künftigen Ranglisten aufsteigt - wenn der künftige Präsident Barack Obama seine Klimapläne auch tatsächlich umsetze.

Germanwatch zufolge haben die Länder mit besseren Wertungen keinen Grund, sich zufrieden zurückzulehnen. Einige von ihnen profitierten nämlich von äußeren Umständen, die ihnen den Klimaschutz leichter machten als anderen Staaten, hieß es. Dies gelte etwa für Schweden, das wegen seiner natürlichen Gegebenheiten gut erneuerbare - und damit klimaschonende - Energien nutzen könne. Zugleich sei in einigen Ländern der Rückgang der CO2-Emissionen auf den Zusammenbruch klimabelastender Industriezweige nach dem Ende der Sowjetunion zurückzuführen.

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