Reaktionen

Geothermiebohrungen künftig nur mit Versicherung

Künftig sollen Geothermiebohrungen in Baden-Württemberg auch in tiefere Schichten wieder möglich sein, wenn ein ausreichender Versicherungsschutz der Bohrfirmen gewährleistet ist. Zudem verlangt die Politik von der Branche die Einhaltung höherer Qualitätsstandards als bisher.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Stuttgart (dapd/red) - Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) kündigte am Donnerstag im Umweltausschuss des Stuttgarter Landtags an, ein vor sechs Wochen ausgesprochenes Verbot wieder aufzuheben. Damit wird es grundsätzlich wieder möglich, bei Erdwärmesonden-Bohrungen tiefer als nur bis zum ersten Grundwasserleiter zu bohren.

Handlungsbedarf nach Schäden

Mitte August waren Bohrungen, die zwei Grundwasserschichten miteinander verbinden, untersagt worden, weil sich dadurch der Boden senken kann. Auslöser war, dass in Leonberg nach einer Bohrung Schäden an 24 Gebäuden entdeckt worden waren.

Auch wenn die Schuldfrage bei Schäden an umliegenden Häusern zunächst nicht eindeutig geklärt ist, sollen "unbeteiligte Dritte möglichst schnell entschädigt werden und nicht erst nach einem langen Rechtsstreit", sagte Untersteller. Deshalb dürfen künftig nur Unternehmen, die einen verschuldensunabhängigen Versicherungsschutz mit einer Deckungssumme von mindestens einer Million Euro nachweisen können, stockwerksübergreifend bohren. Bohrunternehmen müssten zudem über eine Haftpflichtversicherung in Höhe von mindestens fünf Millionen Euro Deckungssumme verfügen.

Fordern und fördern

Das Ministerium verlangt außerdem von der Branche die Einhaltung höherer Qualitätsstandards als bisher. Gerade bei den Schadensfällen in Leonberg sei es zu gravierenden Nachlässigkeiten gekommen. Leitlinien des Ministeriums zur Qualitätssicherung bei Erdwärmesonden definieren jetzt unter anderem die fachlichen und formalen Anforderungen an die Bohrunternehmen und das Bohrpersonal. "Die Leitlinien sind verbindlich", betonte der Umweltminister, "und deren Einhaltung wird genau überwacht".

Fraktionsübergreifend waren die Ausschussmitglieder der Ansicht, dass die Geothermie gestärkt werden muss. "Wenn wir die Energiewende bewerkstelligen wollen, brauchen wir die Geothermie - Windkraft alleine reicht nicht", erklärte die Leonberger Wahlkreisabgeordnete Sabine Kurtz (CDU).

Das könnte Sie auch interessieren
  • Immobilie

    Hessen und Baden-Württemberg wollen Kreditgesetz anpassen

    Bei den Immobiliendarlehen ist seit der Gesetzesänderung vor knapp einem halben Jahr ein Rückgang zu verzeichnen. Wegen der neuen Regeln und den strengeren Richtlinien für die Vergabe hielten sich die Banken zurück. Baden-Württemberg und Hessen fordern deshalb eine Anpassung.

  • Solarmodul

    Plädoyer für Solaranlagen entlang von Autobahnen

    NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) plädiert für einen massiven Ausbau von Solaranlagen zur Energiegewinnung entlang von Autobahnen und Schienentrassen. Hintergrund dieses Überlegungen sind offenbar aktuelle Zahlen, wonach NRW sein Potenzial für Photovoltaik und Solarthermie nur zu drei Prozent abruft.

  • Hochspannungsleitung

    Ethikkommission: Meinungen zu Atomausstieg gehen auseinander

    In einer kontroversen öffentlichen Sitzung hat die von der Bundesregierung eingerichtete Ethikkommission zur Energiepolitik die Chancen und Risiken eines schnellen Atomausstiegs abgewogen. Bei den Kosten der Energiewende gehen die Meinungen stark auseinander.

  • Stromtarife

    Länder mit Atomstandorten formieren sich gegen Röttgen

    Bayern, Baden-Württemberg und Hessen, allesamt Länder mit Kernkraftstandorten, bieten Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) im aktuellen Atomstreit die Stirn. NRW-Ministerpräsident hingegen Jürgen Rüttgers stellte sich hinter seinen Parteikollegen.

  • Absicherung

    Wintertief Daisy: Versicherungsschutz im Schneechaos

    Das Wintertief Daisy hat in Teilen Deutschlands seine Spuren hinterlassen. Wie sieht es dabei jedoch mit dem Versicherungsschutz im Schneechaos für Fahrzeuge und Häuser aus?

Top