Energieversorgung

Geothermie hat hohes Potenzial, ist aber teuer

Das Büro für Technikfolgenabschätzung hat den Bundestag kürzlich über das Potenzial von Geothermie unterrichtet. Obwohl das technische Gesamtpotenzial beim Sechshundertfachen des deutschen Jahresstrombedarfs liege, könne es nur über einen Zeitraum von 1000 Jahren erschlossen werden. Auf Basis vorhandener Technologie sei die Stromerzeugung zudem sehr teuer.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Die geothermische Stromerzeugung in der Bundesrepublik kann einen Betrag dazu leisten, die energiebedingten Umweltauswirkungen zu reduzieren. In einem Bericht des Büros für Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages (Bundestagsdrucksache 15/1835), den der Bildungsausschuss vorgelegt hat, heißt es, dieser Beitrag sei aber aus energiewirtschaftlicher Sicht begrenzt relevant.

Eine wirtschaftliche geothermische Stromerzeugung könne voraussichtlich nur mit Kraft-Wärme-Kopplung erreicht werden. Damit werde die potenzielle Wärmenachfrage zum wesentlichen Hemmschuh. Selbst das Ersetzen aller bestehenden Fernwärmeheizkraftwerke erlaube lediglich eine geothermische Stromproduktion in der Kraft-Wärme-Koppelung in Höhe von zwei Prozent der Bruttostromerzeugung Deutschlands, schreibt das Büro in seinem Bericht weiter. Der technische Gesamtpotenzial der geothermischen Stromerzeugung liege bei rund 1.200 Exa Joule, was etwa dem Sechshundertfachen des deutschen Jahresstrombedarfs von rund zwei Exa Joule entspricht. 95 Prozent des Potenzials entfalle auf kristalline Gesteine, vier Prozent auf Störungszonen und etwa ein Prozent auf Heißwasser-Aquifere.

Die Erfolgswahrscheinlichkeit zur Erreichung von wirtschaftlich vertretbaren Mindestgrößen bei der Thermalwasserproduktion sei unterschiedlich. Der unterschiedliche Grad der Abhängigkeit von den geologischen Bedingungen führe jeweils zu Problemen für die verschiedenen Arten der Geothermie. Hinzu kämen Unsicherheiten durch die getroffenen Annahmen bei den Gewinnungsfaktoren, heißt es in dem Bericht. Unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten durch den geringen natürlichen Wärmestrom sollte das technische Potenzial den Ergebnissen des Berichts zufolge nur innerhalb eines sehr langen Zeitraums in der Größenordnung von etwa 1000 Jahren erschlossen werden.

Ein Vergleich der Stromerzeugungskosten ergebe, dass die Geothermie auf der Basis der heute vorhandenen Techniken und Verfahren als eine vergleichsweise teure Option einzustufen ist. Ihre Stromerzeugungskosten lägen mehr oder weniger deutlich über denen der regenerativen Optionen Windkraft, Wasserkraft und Biomasse und weit über den Stromerzeugungskosten der betrachteten fossilen Optionen Steinkohle und Erdgas. Nur Strom aus Photovoltaik sei etwas teurer.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Naturstrom

    EEG-Reform: Neue Regeln für Windenergie geplant

    Für die Windenergie wird es mit der Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes im kommenden Jahr Änderungen bei der Förderung geben. Ähnlich wie es bereits für den Sonnenstrom gilt, soll die Höhe der Förderung über Ausschreibungen festgelegt werden.

  • Erneuerbare Energie

    Autarke Energieversorgung für Gemeinden nur selten sinnvoll

    Die lokale Eigenversorgung mit Strom als Insel ohne Anschluss an das Stromnetz - das klingt nach einem tollen Ausweg, ist für Städte und Gemeinden laut einer neuen Studie aber nur in Einzelfällen möglich. Insbesondere der Strombedarf für Industrie und Gewerbe lasse sich mit diesem Konzept nicht decken.

  • Hochspannungsleitung

    Esso Energieprognose: Energieverbrauch sinkt langfristig

    Der Ölkonzern Esso hat eine Energieprognose bis 2020 vorgelegt. Für die nächsten fünf Jahre wird eine Stagnation des Verbrauchs vorhergesagt, danach ein zunächst geringfügiger Rückgang um 0,5 Prozent. Die vor allem langfristig wirksamen Verbesserungen der Energieeffizienz wird dann dazu führen, dass der Energiebedarf nach 2010 deutlich absinkt.

  • Stromnetz Ausbau

    Erstes deutsches Erdwärmekraftwerk in Betrieb genommen

    Nach knapp fünfmonatiger Bauzeit haben Bundesumweltminister Jürgen Trittin, der Vorstandsvorsitzende der Vattenfall Europe AG, Dr. Klaus Rauscher, und der Vorstandssprecher der Bewag Aktiengesellschaft & Co. KG, Klaus Pitschke, heute das erste Erdwärmekraftwerk Deutschlands im mecklenburgischen Neustadt-Glewe in Betrieb genommen.

  • Energieversorung

    Stimmen zum EEG-Kompromiss

    Gestern haben sich Wirtschaftsminister Wolfgang Clement und Umweltminister Jürgen Trittin auf einen Kompromiss bei der weiteren Förderung erneuerbarer Energien und der weiteren Ausgestaltung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes geeinigt. Nachfolgend veröffentlichen wir einige Stimmen dazu.

Top