Nicht sicher

Geologe: Auch Atomlager in Gorleben könnte "absaufen"

Der Kieler Geologe Ulrich Schneider bestreitet die Langzeitsicherheit für das geplante atomare Endlager im Salzstock Gorleben. "Es stellt sich die Frage, wann Gorleben absaufen wird", sagte Schneider am Montag bei der Vorstellung einer Studie im Auftrag der niedersächsischen Linksfraktion.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Hannover (ddp/red) - Im Fall des Atommülllagers Asse II habe die Natur diese Frage "in wenigen Jahrhunderten beantwortet", sagte Schneider. Er arbeitete von 1979 bis 1981 für die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) an einem Gutachten über den Salzstock in Gorleben.

Schneider verglich den Salzstock mit einem hohlen Zahn, in den Wasser wie Karies eindringe. Frühere Untersuchungen über Wasserläufe in dem Gestein kritisierte er als zu wenig differenziert. Er warnte, Wasser dringe in die das Steinsalz des geplanten Endlagers umgebenden Kalisalzschichten ein und weiche diese auf. Durch höhere Temperaturen, die radioaktiver Müll verursache, werde das Salz zudem "fließfähiger und leichter". Langfristig gesehen könne so radioaktives Material in die Biosphäre gelangen.

Schneider forderte, das Moratorium für Gorleben müsse verlängert werden, um die Suche nach alternativen Endlagerstätten für Atommüll fortzusetzen. Der umweltpolitische Sprecher der Linken, Kurt Herzog, sagte, Gorleben sei als Standort für ein Endlager fahrlässig ausgewählt worden. Er kritisierte mit Blick auf 2015 auslaufende Verträge des Bundesamtes für Strahlenschutz mit Grundbesitzern die "dünne Rechtsbasis", auf der Gorleben weitererkundet werden solle.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Atommüll

    Atommüll-Endlagersuche: Alles auf Anfang

    Ein halbes Jahrhundert nach Inbetriebnahme des ersten Kernkraftwerks gibt es jetzt einen parteiübergreifenden Minimalkonsens für die Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll. Bund und Länder einigten sich am Dienstag in Berlin tatsächlich auf ein Standortsuchgesetz.

  • Atommüll

    Asse hätte nie Atomendlager werden dürfen

    In dem ehemaligen Salzbergwerk Asse bei Wolfenbüttel hätte nach den Erkenntnissen des Untersuchungsausschusses in Hannover niemals ein Atomendlager eingerichtet werden dürfen. Der Ausschuss des niedersächsischen Landtages schloss am Donnerstag nach mehr als drei Jahren, 71 Sitzungen und der Vernehmung von mehr als 50 Zeugen seine Arbeit ab.

  • Strompreise

    Linke: Asse-Flutung würde Großraum Braunschweig unbewohnbar machen

    Die Zweifel am Notfallplan des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) für den Fall eines Kollapses des einsturzgefährdeten Atommülllagers Asse wachsen. Ein Umweltexperte der Linken warnte, eine Flutung des Salzstocks könne erschreckende Folgen haben.

  • Stromnetz Ausbau

    Geologe: Gorleben war aus fachlicher Sicht nur zweite Wahl

    Der Salzstock Gorleben ist nach Angaben des Geologen Gerd Lüttig in den 1970er Jahren vorrangig aus politischen Gründen zur Untersuchung als mögliches Atommüllendlager ausgewählt worden. Rein fachlich sei es als nur bedingt geeignet erschienen.

  • Stromtarife

    Niedersachsens CDU wirft BfS-Chef Parteinahme vor

    Die CDU in Niedersachsen wirft dem Präsidenten des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, Parteinahme für Umweltminister Gabriel und die Anti-Atom-Bewegung vor. König lasse in Wahlkampfzeiten "jegliche Zurückhaltung vermissen", sagte der umweltpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Martin Bäumer.

Top