Dorfkraftwerk von Ivenack

Gemeinde will Wärmebedarf vollständig mit Ökoenergie decken

Ivenack war 2005 Vorreiter bei der teilweisen Wärmeselbstversorgung von Kommunen mit Hilfe von Biogasanlagen, heute erzeugt auch eine Photovoltaik-Anlage Strom für den Ort. Die Gemeinde in Mecklemburg-Vorpommern will mit Biogas und Sonnenkraft den eigenen Wärmebedarf vollständig decken.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Ivenack (ddp-nrd/sm) - "In fünf Jahren werden wir das ganze Dorf selbst mit Wärme versorgen", sagt Roland Lüker , er parteilose Bürgermeister von Ivenack (Landkreis Demmin). Er selbst war 2004 Initiator der ersten kommunal betriebenen Biogasanlage mit angeschlossener Nahwärmeversorgung in Mecklenburg-Vorpommern. 2005 nahm das Dorfkraftwerk seinen Betrieb auf.

Wärme für drei Cent pro Kilowattstunde

"Es ist das Herzstück unserer autarken Energieversorgung", betont Lüker. Neben dem 626-Kilowatt-Biogas-System betreibt die Kompetenzzentrum Regiostrom Ivenack GmbH, die ihren Sitz im Bürgermeisterzimmer hat, auch eine 140-Kilowatt-Photovoltaik-Anlage. "Regiostrom ist faktisch ein dörfliches Stadtwerk", sagt Lüker stolz. "2007 verkauften wir unsere Wärme für drei Cent pro Kilowattstunde. Wo gibt's sonst noch solche Preise?"

Die Kraftwerke gelten als Paradebeispiel für eine regionale Wertschöpfung durch erneuerbare Energien. Nachwachsende Rohstoffe werden an Ort und Stelle in Energie umgewandelt, die gleich wieder den Dorfbewohnern zugute kommt. Der örtliche Agrarbetrieb vergärt die gelieferte Mais- und Grassilage zu Biogas, das in einem Blockheizkraftwerk verbrannt wird. Der daraus erzeugte Strom wird in das öffentliche Netz eingespeist. Die Abwärme sorge vorerst in einem kleinen Wohngebiet und im künftigen Gewerbegebiet für warme Heizungen und Heißwasser. Im vergangenen Sommer baute der Agrarbetrieb eine Getreidetrockenhalle, die zum großen Teil über die Biogasanlage beheizt wird.

Nächste Projekte in Planung

Knapp 40 Menschen profitieren bislang vom lokalen Wärmeangebot. Lüker rechnet mit zusätzlichem Zuspruch für den Zeitpunkt, wenn weitere Anwohner kein Öl mehr für ihre Heizungszanks nachkaufen. Langfristig sollen alle 400 Dorfbewohner an das Nahwärmenetz angeschlossen werden.

Eine zweite, kleinere Biogasanlage soll eine geplante Großküche der Arbeiterwohlfahrt (AWO) mit Warmwasser und Wärme versorgen. Zudem laufen Vorbereitungen für die Pelletierung von 20.000 Tonnen Stroh und deren energetischen Verwertung. Dafür wurde dieses Mal ein Investor aus Bayern gewonnen, der die Anlage auch betreiben wird. "Im Frühjahr geht es los", freut sich Lüker.

Insgesamt laufen in Mecklenburg-Vorpommern nach Angaben des Landwirtschafts- und Umweltministeriums rund 190 Biogas-Anlagen, weitere 100 sind in Planung. Sie dienen vorrangig der Stromerzeugung, die Abwärme wird in erster Linie zum Heizen von Ställen oder Trocknen von Getreide genutzt.

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