Zusammenarbeit mit Areva

GDF Suez darf offenbar neue Reaktorgeneration bauen

Der französische Energiekonzern GDF Suez könnte nach Angaben von Gewerkschaften bald bei der dritten Generation von Atomreaktoren mitmischen. Kürzlich war berichtet worden, der Versorger wolle im Rhônetal einen neuen Atomreaktor bauen. GDF Suez hat auf dem Reaktormarkt bislang keinen Fuß auf den Boden bekommen.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Paris (afp/red) - Die Regierung habe dem "sehr strategischen und politischen Antrag" des Unternehmens anscheinend zugestimmt, erklärte die Gewerkschaft CGT Energie am Donnerstag. GDF Suez soll sich beim Umwelt- und Energieministerium in Paris darum beworben haben, im Rhônetal einen neuen Atomreaktor der dritten Generation zu bauen, wie das Wirtschaftsblatt "Les Echos" unlängst berichtet hatte. Unternehmenschef Gérard Mestrallet sagte vergangenen Donnerstag vor Journalisten, er wisse nichts von einer etwaigen Entscheidung. Das Ministerium äußerte sich zu den Gewerkschaftsangaben zunächst nicht.

Die Entscheidung der Regierung kam laut CGT Energie vor allem auf Drängen von Jean-François Carenco zustande, dem Kabinettschef von Umweltminister Jean-Louis Borloo. Carenco solle Chef der Compagnie Nationale du Rhône werden, deren Haupteigner GDF Suez ist. Wie üblich würden auch in diesem Fall "Belange zwischen Unternehmensspitzen und Politik vermischt", kritisierte die Gewerkschaft. Die Regierung setze "in allen Unternehmen strategische Aufsichtsführer" ein.

Berichten zufolge geht es bei dem Kraftwerksvorhaben im Rhônetal um eine neue Generation mittelgroßer Reaktoren, die der französische Atomkonzern Areva derzeit gemeinsam mit dem japanischen Unternehmen Mitsubishi Heavy Industries entwickelt. GDF Suez und Areva hatten im Januar eine engere Zusammenarbeit angekündigt. Der geplante Reaktor "Atmea" soll eine Kapazität von 1000 Megawatt haben; er ist damit deutlich kleiner als der von Areva entwickelte Europäische Druckwasserreaktor (EPR) mit einer Leistung von 1600 Megawatt.

GDF Suez hofft laut "Les Echos" auf eine Inbetriebnahme des ersten "Atmea" noch vor 2020. Das Unternehmen, das bisher vor allem als Gaslieferant tätig ist, versucht schon seit einigen Jahren den Durchbruch bei der Atomkraft. Bisher scheiterte dies jedoch an der Vormachtstellung des staatlichen EDF-Konzerns.

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