Ölpreisbindung

Gazprom rechnet mit fallenden Erdgaspreisen für deutsche Kunden

Gazprom kalkuliert für das kommende Jahr mit fallenden Preisen für deutsche Verbraucher. "Heute sinkt der Ölpreis wieder, und aufgrund der Anbindung des Gaspreises an einen Auswahlkorb von Ölprodukten müssen wir in einigen Monaten mit einem gewissen Fall der Erdgaspreise rechnen", sagte Gazprom-Chef Alexei Miller der "Welt".

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - "Demzufolge wird der deutsche Verbraucher weniger bezahlen als jetzt", so Miller weiter. An einen langfristigen Preisverfall von Erdöl und Erdgas glaubt er jedoch nicht.

Auch E.ON stellt einen Preisrückgang für Erdgas in Aussicht. "Wenn der Ölpreis auf dem derzeitig niedrigen Niveau bleibt, werden wir die Gaspreise im Frühjahr wieder senken können", sagte Vorstandschef Wulf Bernotat der "Financial Times Deutschland". Für Anfang Dezember kündigte er jedoch zunächst eine Verteuerung von Erdgas an. "Die dramatischen Preiserhöhungen bei Öl im ersten Halbjahr sind beim Gaskunden bisher noch gar nicht voll angekommen», begründete er den Schritt.

Mieterbund fordert sofortige Preissenkung

Der Präsident des Deutschen Mieterbunds (DMB) Franz-Georg Rips verlangte umgehende Preissenkungen. "Geschieht dies nicht innerhalb der nächsten Wochen, muss geprüft werden, inwieweit Verbraucher einen Rechtsanspruch auf Preissenkungen haben und durchsetzen können», unterstrich Rips. Die Koppelung des Gaspreises an den Ölpreis müsse zu Preisreduzierungen beim Gas führen.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hatte am Dienstag angesichts des deutlich gesunkenen Ölpreises von den Versorgern günstigere Energiepreise gefordert. Wenn das Öl billiger wird, muss Glos zufolge der Gaspreis dem folgen. Der Ölpreis der Sorte Light Sweet Crude lag am Donnerstag bei 69 Dollar je Barrel (159 Liter). Im Sommer hatte der Ölpreis bei 147 Dollar einen Höchststand erreicht.

Gazprom wehrt sich gegen Gaskartell-Vorwurf

Miller wehrte sich gegen den Vorwurf, Russland gründe zusammen mit anderen Gasförderstaaten wie Katar und Iran eine Gas-Opec zum Schaden der Kunden im Westen. Das Prinzip eines Ölkartells könne auf dem Gasmarkt gar nicht zur Anwendung kommen, sagte Miller dem Blatt. "Bei uns geht es um regional gegliederte Märkte mit langfristigen Lieferverträgen, da kann kein Kartell wie die OPEC kurzfristig und weltweit die Preise beeinflussen." Allerdings wäre eine gemeinsame Strategie der Produzentenländer über Gasförderung und Gastransport sinnvoll.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Energietarife

    Heizkosten-Vergleich: Wie hoch ist der Verbrauch bei anderen?

    Wie hoch die Heizkosten sind, hängt davon ab, wie teuer Öl, Gas etc. sind. Ganz wesentlich ist aber auch, wie hoch der Verbrauch ist. Mit dem neuen Heizspiegel kann der eigene Verbrauch mit dem anderer Haushalte verglichen werden.

  • Erdgaspreise

    Opec einigen sich auf Fördergrenze beim Öl

    Die zerstrittene Opec hat sich nun doch einigen können, die Ölfördermenge zu begrenzen. Bereits seit zwei Jahren sind die Ölpreise fast durchgehend im Keller. Das Öl wurde sofort nach der Entscheidung teurer.

  • Energieversorung

    Glos fordert günstigere Energiepreise

    Angesichts des deutlich gesunkenen Ölpreises fordert Bundeswirtschaftsminister Glos von den Versorgern günstigere Preise. "Ich kann nicht verstehen, dass sich unsere Energiekonzerne so bockbeinig anstellen, wenn es darum geht, den Verbraucher möglichst rasch mehr Geld in die Tasche zu geben", sagte Glos im ARD-"Morgenmagazin".

  • Stromtarife

    OPEC kürzt Fördermenge um 1,5 Millionen Barrel pro Tag (Upd.)

    Im Kampf gegen den rasanten Preisverfall bei Erdöl kürzt die OPEC ihre Fördermenge. Ab dem 1. November werde die Organisation Erdöl exportierender Länder täglich 1,5 Millionen Barrel weniger fördern, teilte der saudiarabische Ölminister Ali el Nuaimi am Freitag nach einer Sondersitzung der OPEC-Minister in Wien mit.

  • Energieversorung

    Energieagentur warnt vor Preisauftrieb durch "Gas-Kartell"

    Die Internationale Energieagentur (IEA) hat die Pläne für eine sogenannte Gas-Opec kritisiert. Der Zusammenschluss nach dem Vorbild der Erdöl exportierenden Staaten würde die Marktmechanismen erheblich schwächen, sagte IEA-Chefökonom Fatih Birol laut einem Vorabbericht des "Spiegel".

Top