Einigung in Sicht

Gazprom-Chef: Gas könnte bereits Freitag wieder fließen (Upd.)

Aus Sicht der Europäischen Kommission ist ein Ende des Gas-Streits in greifbare Nähe gerückt. Russland hat bestätigt, sich mit der EU auf die Entsendung von Beobachtern geeinigt zu haben. Gazprom könnte bereits heute seine Gaslieferungen nach Europa über die Ukraine wieder aufnehmen.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Kreuth (ddp/sm) - Bedingung für die Wiederaufnahme sei, dass die Vereinbarung über die Entsendung von Beobachtern unterzeichnet werde, sagte Gazprom-Chef Alexej Miller laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax. "Wir rechnen damit, dass die Vereinbarung heute unterzeichnet wird. Und dann werden wir quasi sofort die Lieferungen wieder aufnehmen", sagte Miller.

EU-Beobachter sollen Gaslieferungen überprüfen

Russland und die Ukraine hatten sich mit der EU auf die Entsendung von Beobachtern geeinigt. Die Beobachter, auch russische, sollen auf dem Gebiet der Ukraine überprüfen, ob das russische Gas ankommt und ob es nach Europa geleitet und nicht etwa abgezweigt wird.

Die tschechische EU-Ratspräsidentschaft hatte zuvor mitgeteilt, dass sich Russlands Regierungschef Wladimir Putin und der tschechische Ministerpräsident Mirek Topolanek über die Entsendung von Beobachtern verständigt hätten. Die Beobachter würden überall dort stationiert, wo es notwendig sei. Bereits heute sollen die "technischen Experten" in der Ukraine eintreffen.

Nach ersten Anzeichen für eine Annäherung im Gasstreit war eine Lösung am Donnerstag zunächst wieder in die Ferne gerückt. Wie EU-Energiekommissar Andris Piebalgs mitteilte, hatte Gazprom nach einem ersten Einlenken plötzlich "inakzeptable Forderungen" aufgestellt. Demnach verlangte Gazprom-Chef Alexej Miller die Entsendung russischer Beobachter in die Ukraine. Kiew hatte zuvor mit der EU-Kommission die Entsendung von europäischen Beobachtern zur Überwachung des russischen Gastransits auf ihrem Territorium vereinbart.

EU beruft Krisentreffen von Energieministern ein

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy forderte Russland auf, seine Gaslieferverträge mit europäischen Staaten einzuhalten. "Der russisch-ukrainische Streit ist eine bilaterale Angelegenheit", sagte Sarkozy auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Merkel in Paris. Merkel sagte, auch Deutschland sei bereit, Experten zur Verfügung zu stellen. Europa müsse zudem prüfen, ob es seine Speicherkapazität erhöhen solle.

Die EU berief für Montag ein Krisentreffen der Energieminister ein. Neben aktuellen Fragen wie der Entsendung einer Beobachtermission zur Kontrolle des Gas-Transits sollten auch langfristige Maßnahmen für größere Energiesicherheit diskutiert werden.

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