Neue Investoren

Gazprom als Rettungsanker für Wadan-Werften im Gespräch

Eine russische Schiffbaugruppe ist Medienberichten zufolge offenbar an der Übernahme der insolventen Wadan-Werften in Wismar und Warnemünde interessiert. Mit dabei sollen auch zwei eng an Gazprom gebundene Investoren sein.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Schwerin (ddp/red) - Für die insolventen Wadan-Werften in Wismar und Warnemünde keimt neue Hoffnung auf. Mit dem Energiemanager Igor Jussufow ist erneut ein russischer Investor an den Schiffbaubetrieben interessiert. Er stellte am Mittwoch in Berlin im Beisein von Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD), Wirtschaftsminister Jürgen Seidel, Kanzleramtschef Thomas de Maizière (beide CDU) und weiteren Vertretern der Bundesregierung sein Konzept vor. Der Kaufpreis für beide Werftstandorte soll einem Zeitungsbericht zufolge 40,5 Millionen Euro betragen. Voraussetzung für die Wiederaufnahme der Arbeiten auf den Werften sind allerdings nach wie vor neue Aufträge und geklärte Finanzierungen.

Es zeichne sich bei aller Vorsicht eine Lösung ab, sagte Sellering nach dem Treffen mit dem früheren russischen Energieminister, der im Aufsichtsrat des Energiekonzern Gazprom sitzt. Dessen Konzept sei gut, in sich schlüssig und peile bis zu 1600 Arbeitsplätze an beiden Standorten an. Es seien aber noch offene Fragen zu klären. Man sei noch nicht durch, betonte der Regierungschef. Er gehe bei Jussufow von einem seriösen Investor aus.

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte, Bundesregierung und Land stimmten darin überein, dass das Konzept interessante Ansätze enthalte. Auch Wilhelm verwies auf noch offene Punkte.

Sellering bestätigte, dass das Thema Wadan am Freitag beim Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Russlands Präsident Dmitri Medwedew im russischen Sotschi eine Rolle spielen wird. Es werde angestrebt, dass bis dahin ein Vertrag in Form eines sogenannten Asset Deal vorliege. Dem Vertrag müsse allerdings auch der Gläubigerausschuss zustimmen, stellte Sellering klar.

Er betonte zugleich die Notwendigkeit, dass die russische Regierung das Vorhaben unterstützt. In Russland gebe es ein strategisches Interesse an einer Zusammenarbeit mit deutschen Werften. Die Russen wollten deutsches Know-how im Spezialschiffbau und im Offshore-Bereich. "Da liegen die Chancen", sagte Sellering. Er setze deshalb auf ein klares politisches Signal auch von der obersten politischen Instanz, dass die strategische Partnerschaft mitgetragen werde, auch um Aufträge zu aktivieren.

Der Betriebsrat der Warnemünder Wadan-Werft, Harald Ruschel, reagierte zurückhaltend. Er sehe einen möglichen Einstieg von Gazprom bei den Werften "nicht euphorisch, sondern mit einer gewissen Vorsicht". In Russland gebe es seriöse und nicht ganz so seriöse Geschäftsleute, sagte Ruschel mit Blick auf den letzten Eigner der Werft, Andrej Burlakow. Der hatte neue Aufträge angekündigt, aber letztlich nicht an Land ziehen können. "Wenn es sich um ein seriöses Geschäftsumfeld handelt, sind wir für alles offen", fügte Ruschel hinzu.

Laut "Ostseezeitung" (Mittwochsausgabe) soll Igor Jussofs Sohn Witalij, der als PR-Manager für den russischen Gaskonzern arbeite, ebenfalls in das Geschäft eingebunden sein. Die neuen Investoren wollten über die Gazprom-Gesellschaft Gazflot milliardenschwere Aufträge an die deutsche Ostseeküste lenken. Hintergrund dafür sei der große Bedarf an eismeertauglichen Schiffen.

Für die Wadan-Werften war Anfang August das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Die meisten der 2500 Beschäftigten der beiden Schiffbaubetriebe wechselten zum 1. August in eine Auffanggesellschaft. Ihnen wurde zunächst für fünf Monate eine Weiterbeschäftigung garantiert. Die Werften befanden sich vor ihrer Zahlungsunfähigkeit ein Jahr lang mehrheitlich in russischer Hand.

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