Krise

Gasprom-Vizechef weist Kritik am Verhalten gegenüber Ukraine zurück

Nach der Einigung im Gasstreit mit der Ukraine hat sich der vom Kreml kontrollierte russische Gasförderer Gasprom gegen Kritik aus dem Westen gewehrt. Die Beziehungen hätten keinerlei politischen Hintergrund, hieß es. Der "Spiegel" berichtet unterdessen, dass Ex-Kanzler Schröder während der Krise schlichtete.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Potsdam (ddp/sm) - Nach der Einigung im Gasstreit mit der Ukraine hat sich der vom Kreml kontrollierte russische Gasförderer Gasprom gegen Kritik aus dem Westen gewehrt. "Die russisch-ukrainischen Beziehungen in der Gasbranche hatten und haben keinerlei politischen Hintergrund", sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Gasprom, Alexander Medwedew, der in Potsdam erscheinenden "Märkischen Allgemeinen" (Samstagausgabe). Die Ukraine habe bei den Verhandlungen jeden konstruktiven Dialog abgelehnt und sich geweigert, Liefer- und Transitverträge zu unterzeichnen, die marktwirtschaftlichen Standards entsprechen.

Der Gasprom-Vizechef widersprach der früheren ukrainischen Regierungschefin Julia Timoschenko, die eine Klage gegen den russisch-ukrainischen Liefervertrag angekündigt hatte. Timoschenko hatte argumentiert, die Ukraine verfüge bereits über einen langfristigen Vertrag, der die Belieferung mit russischem Gas zu dem günstigen Tarif von 50 Dollar (42 Euro) je 1000 Kubikmeter Gas bis 2010 sichere. "Gasprom verletzt seine vertraglichen Verpflichtungen nie", betonte Medwedew. Für die Beibehaltung der bisherigen Gaspreise im Jahr 2006 gebe es "keinerlei juristischen Grund". Der von Naftogas Ukrainy in Moskau unterzeichnete Vertrag schreibt eine Versorgung mit russischem und zentralasiatischem Gas zu einem Einheitspreis von 95 Dollar fest.

Medwedew kündigte an, dass Gasprom ungeachtet der Kritik des Westens seine Stellung in Europa ausbauen wolle. Dazu sei unter anderem der Bau von unterirdischen Gasdepots in Europa geplant. Der Manager verteidigte die Berufung von Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zum Aufsichtsratschef der deutsch-russischen Ostseepipeline. "Wir sind uns sicher, dass das Ansehen und die Erfahrungen von Herrn Schröder eine wichtige Rolle für eine erfolgreiche Umsetzung dieses Projekts spielen werden", sagte er.

Dieser hatte sich wie jetzt herauskam in vertraulichen Gesprächen um eine Beilegung des Gas-Streits zwischen Russland und der Ukraine bemüht. Er habe in Telefonaten mit Russlands Präsident Wladimir Putin und dem Chef des halbstaatlichen Gaskonzerns Gasprom, Alexej Miller, auf einen Kompromiss mit der Ukraine gedrängt, schreibt der "Spiegel". Dies hätten Vertraute Schröders berichtet. Sein Berliner Büro habe die Aktivitäten weder bestätigen noch dementieren wollen.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Strom- und Gaspreise

    Opec: Krisen treiben Energiepreise in die Höhe

    Die Energiepreise werden laut Opec insgesamt teurer werden. Die Kämpfe im Irak und der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine haben sich bereits auf die internationalen Ölpreise ausgewirkt. Die USA konnte indessen durch das umstrittene Fracking die Versorgung aus eigenen Quellen steigern.

  • Stromvergleich sparen

    Niedrige Energiekosten erwartet

    Bei den Energiekosten könnten Verbraucher in diesem Jahr Glück haben. Durch den milden Winter wurde weniger Gas und Heizöl verbraucht, zusammen mit den stabilen Preise könnten Mieter hohe Rückzahlungen erhalten. Derzeitige politische Spannungen lassen allerdings keine Aussagen für die Zukunft zu.

  • Strompreise

    Fortsetzung der Diskussion um Atomenergie

    Die Diskussion um den Einsatz der Atomenergie hält unvermindert an. Während CDU-Generalsekretär Pofalla und der stellvertretende SPD-Vorsitzende Beck auf den bestehenden Koalitionsvertrag verweisen, gibt es weiterhin Stimmen, die sich für eine mögliche Laufzeit-Verlängerung aussprechen. Eine Zusammenfasung.

  • Energieversorung

    Verbände zur Diskussion um Energieträger

    Die Vereinigung zur Förderung der Nutzung Erneuerbarer Energien Sachsen (VEE) und der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordern von der Bundesregierung sich für eine langfristige Unabhängigkeit von fossilen und atomaren Energieträgern einsetzen. Der Energieabnehmerverband (VEA) fordert dagegen, die Vorschläge von Glos zu überdenken.

  • Energieversorung

    Gaskonflikt: dena setzt auf Energieeinsparung

    "Deutschland braucht noch mehr Energieeffizienz, eine effiziente Nutzung von regenerativen Energiequellen und die schnelle Entwicklung von kohlendioxid-neutralen Kohletechnologien", kommentierte Stephan Kohler, Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) heute die aktuelle Situation.

Top