Radikale Position

Gaspreisbindung: E.ON Ruhrgas will notfalls gegen Bundeskartellamt klagen

Die Fronten verhärten sich: Wenn das Bundeskartellamt langfristige Gaslieferverträge verbietet, entstünden der deutschen Gaswirtschaft "enorme Nachteile" in Europa, sagte der Chef von E.ON Ruhrgas, Burckhard Bergmann. Mit dieser Position provoziere die Behörde eine gerichtliche Auseinandersetzung.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Der Vorstandsvorsitzende des größten deutschen Erdgas-Importeurs E.ON Ruhrgas, Burckhard Bergmann, will die geplanten Markteingriffe des Bundeskartellamtes notfalls mit juristischen Mitteln abwehren. Durch das geplante Verbot langfristiger Lieferverträge würde die deutsche Gaswirtschaft "enorme Nachteile" gegenüber europäischen Wettbewerbern erleiden, sagte Bergmann der Zeitung "Die Welt" (Montagausgabe).

"Das Bundeskartellamt nimmt insgesamt leider eine radikale Position ein, die, wenn es daran festhält, eine gerichtliche Auseinandersetzung provozieren würde", so Bergmann weiter. Die Behörde hält die Verträge mit Laufzeiten von teilweise 20 Jahren für unzulässig, da sie den Wettbewerb verhinderten. Laut Kartellamtschef Ulf Böge würden derzeit Gespräche mit den Versorgern über Alternativen geführt.

Bergmann warnte vor steigenden Gaspreisen und langfristigen Gefahren für die Versorgungssicherheit in Deutschland, falls sich das Kartellamt mit seinen Vorstellungen durchsetzt. Er sagte der Zeitung: "Wenn wir nicht auch unsererseits zumindest für wesentliche Teilmengen langfristige Abnahmeverträge mit unseren Kunden abschließen dürfen, erhöhen sich unsere Absatzrisiken erheblich - mit entsprechenden Konsequenzen für den Gaspreis und die Bereitschaft, die Erdgasversorgung unseres Landes langfristig vertraglich abzusichern." Dass die Versorgungs-Konzerne durch die steigenden Gaspreise profitieren, bestritt Bergmann: "Wir verdienen heute nicht an den höheren Gaspreisen. Im Gegenteil: Weil die Einkaufspreise schneller steigen als die Verkaufspreise, sind unsere Erträge erheblich zurückgegangen."

Eine Aufhebung der Bindung des Gaspreises an den Ölpreis lehnte Bergmann ab, denn dann würde der Preis noch stärker steigen. Es dürfe nicht sein, dass Lieferanten durch Verknappung des Erdgases die Preise im wesentlichen selbst bestimmen, sagte Bergmann. Daher sei es wichtig, den Gaspreis auch an andere Energien zu binden. Bei Verzicht auf die Ölpreisbindung fordere Russland schon jetzt höhere Preise.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Ölbohrung

    Studie: Niedriger Ölpreis erreicht Verbraucher nicht

    Der Ölpreis beeinflusst die Kosten für viele Güter. Entweder taucht Öl als Rohstoff in vielen Produkten auf oder er dient als Treibstoff, um die Ware vom einen Ort zum anderen zu bringen. Sinken die Produktpreise zu langsam? Zwischen Branchen und Verbraucherschützern wird wegen des billigen Öls schwer diskutiert.

  • Gaspreis

    Gaspreise sind kaum gesunken

    Sehr lange waren die Gaspreise an die Ölpreise gekoppelt. Das ist vorbei: Denn im Gegensatz zum Öl ist das Gas kaum billiger geworden. Experten sehen dennoch Vorteile für Verbraucher, vor allem, was künftige Entwicklungen angeht.

  • Energieversorung

    Gaswirtschaft will an langfristigen Lieferverträgen festhalten

    Für den Bundesverband der Gas- und Wasserwirtschaft (BGW) ist die Abschaffung langfristiger Lieferverträge, für die sich derzeit das Bundeskartellamt einsetzt, ein Eingriff in den Grundsatz der Vertragsfreiheit. Auch die Ölpreisbindung, deren Aufhebung in den letzten Tagen mehrfach gefordert wurde, habe ihren Zweck.

  • Stromtarife

    Deutsche Gaswirtschaft verteidigt Ölpreisbindung

    Die Kopplung des Gas- an den Ölpreis hat in dieser Woche zu vertärkter Kritik aus nahezu allen politischen Lagern geführt. Die Gaswirtschaft indes warnte nun vor einer vorschnellen Abschaffung, des in den 60er Jahren eingeführten Mechanismus': Man müsse Produzenten langfristige Konditionen bieten, hieß es.

  • Hochspannungsleitung

    Abkopplung gefordert: Öl-/Gas-Preisbindung in der Kritik

    Bundeskanzler, Verbraucherschutzministerin, Bundeskartellamt und Energieverbraucher machen sich momentan gemeinsam für eine Abschaffung der Bindung des Gaspreises an den Ölpreis stark. Das sei unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht mehr gerechtfertigt, sagte der Bundeskanzler heute.

Top