Neues Zugangsmodell

Gaskunden sollen Gasversorger künftig frei auswählen können (Upd.)

Gaswirtschaft und Bundesnetzagentur haben sich auf ein neues Netzzugangsmodell für den deutschen Gasmarkt geeinigt. Durch das Modell soll neuen Anbietern der Marktzugang erleichtert werden. Der erhöhte Wettbewerb soll letztendlich auch zu geringeren Gaspreisen führen.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Gemeinsam mit den Branchenverbänden VKU und BGW hat die Bundesnetzagentur heute in Berlin ein neues Gasnetzzugangsmodell vorgestellt, mit dem der Wettbewerb im Gasmarkt angekurbelt werden soll. "Heute ist ein wesentlicher Meilenstein zum Ziel eines transparenten Gasnetzzugangsmodells erreicht", kommentierte Matthias Kurth, Präsident der Aufsichtsbehörde. Er baue auf klare Zusagen der Gasnetzbetreiberverbände BGW und VKU, ihre aus dem Energiewirtschaftsgesetz folgende Kooperationspflicht zügig umzusetzen, richtete sich Kurth an die Beteiligten.

Das bisherige einzelfallbezogene und entfernungsabhängige Transportpfadmodell nach der Verbändevereinbarung Erdgas soll nun durch ein Zugangssystem abgelöst werden, welches dem Transportkunden einen einfachen, diskriminierungsfreien Netzzugang auf der Grundlage nur zweier Verträge (eines Einspeise- und eines Ausspeisevertrags) ermöglichen soll. Dies soll gerade auch neuen Anbietern ermöglichen, in den Wettbewerb einzusteigen. "Ziel ist es, zu Beginn des Gaswirtschaftsjahres am 1. Oktober 2006 den Gasnetzzugang nach neuen Prinzipien und Strukturen zu ordnen", führte Kurth aus. Er zeigte sich überzeugt davon, dass durch verbesserte Transparenz und optimierte Kapazitätsnutzung auch die Netznutzungskosten sinken und mehr Wettbewerb im Gasmarkt entstehen werde. "Ein leichter und massengeschäftstauglicher Wechsel des Gaslieferanten - auch durch Privatkunden - soll im Laufe des Jahres nach den Zusagen der Verbände realisiert werden", lautet seine Deadline.

Konsultationskreis Gasnetzzugang arbeitete erfolgreich

In monatelanger Arbeit hatte der von der Bundesnetzagentur mehrmals einberufene Konsultationskreis Gasnetzzugang, an dem neben den Netzbetreiberverbänden BGW, VKU und GEODE auch die Netznutzerverbände BDI, BNE, EFET und VIK teilnahmen, die Vereinbarung erarbeitet. Sie muss jetzt in konkrete Vertragstexte umgewandelt und präzisiert werden. "Dieses Prinzip der Kooperation sollte jetzt rasch mit Leben gefüllt werden, um auch einen Beitrag zu leisten, das belastete Klima zwischen Anbietern und Verbrauchern deutlich zu verbessern", appellierte Kurth an alle Beteiligten. Er versprach, dass seine Behörde weiterhin aktiv moderierend und intensiv beobachtend dabei sein werde.

VKU: Umsetzung bis 1.10. zugesagt

VKU-Präsident Gerhard Widder sagte eine Implementierung des neuen Zugangsmodells zum 1. Oktober 2006 zu: "Aus Sicht des VKU erfüllt das Modell, das nun in Verträge gegossen werden muss, die im Energiewirtschaftsgesetz und der Gasnetzzugangsverordnung geforderten Ziele: Transparenz und Nichtdiskriminierung für Transportkunden/Händler und ermöglicht eine effiziente Kapazitätsnutzung."

Kernpunkt des neuen Netzzugangsmodells ist das Optionsrecht des Transportkunden/Händlers, neben einer netzbetreiberübergreifenden Buchung im Rahmen von Ein- und Ausspeisevertrag auch Entry-/Exit-Punkte in Netzen (Netzkopplungs- und Netzanschlusspunkte) und damit Lieferpunkte buchen zu können. So soll sichergestellt werden, dass auch zukünftig integrierte Lieferverträge (Commodity, Transport und Strukturierung) am Regio- oder City-Gate abgeschlossen werden können.

Glos: Erste Bewertung Mitte 2006

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos teilte mit, nicht noch mehr Zeit verstreichen lassen zu wollen: "Ich habe stets alle Beteiligten aufgefordert, in dieser - für die Entwicklung von mehr Wettbewerb - zentralen Frage möglichst rasch zu einer diskriminierungsfreien und praxistauglichen Lösung zu kommen." Auch er wolle die wettbewerbliche Entwicklung am Gasmarkt auch weiterhin sorgfältig beobachten und eine erste Bewertung Mitte nächsten Jahres vorlegen.

bne und Verbrauchzentralen bleiben skeptisch

Skeptisch äußerte sich hingegen der Bundesverband Neuer Energieanbieter (bne). "Wir sehen hier kein klares Signal für den Wettbewerb", sagte eine Sprecherin. Ein großer Teil des Marktes, besonders der der Haushaltskunden, werde nach der Einigung auch weiter vom Wettbewerb ausgeschlossen bleiben. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen äußerte ebenfalls Bedenken. "Skepsis ist nach wie vor angebracht", sagte Sprecher Holger Krawinkel. Man habe den Eindruck, dass sich die Bundesnetzagentur gegen die deutsche Gaswirtschaft nicht habe durchsetzen können. Die Gaspreise seien derzeit um 15 Prozent zu hoch. Die Einigung müsse sich daran messen lassen, ob die Preise in Zukunft entsprechend zurückgingen.

Auch der Bund der Energieverbraucher zeigte sich nur vorsichtig optimistisch. "Wir finden es positiv, dass sich was bewegt", sagte der Vorsitzende Aribert Peters. Ob die Preise wirklich sinken, müsse sich zeigen. Er hält die Gaspreise um 20 Prozent überhöht.

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