Russland, Katar und der Iran

Gas-Förderländer wollen Liefermacht gemeinsam nutzen

Die drei größten Gas-Förderländer der Welt wollen ihre Liefermacht künftig stärker gemeinsam nutzen. Russland, Katar und der Iran bildeten eine "Troika", sagte Gazprom-Chef Alexej Miller gestern in Teheran. In den drei Staaten lagern rund 60 Prozent der weltweiten Gasvorkommen.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Teheran (AFP/sm) - Das Dreierbündnis wolle sich alle drei bis vier Monate treffen, um über gemeinsame Vorhaben zu beraten, kündigte Miller an. Eine Kommission solle zudem die Chancen für eine Zusammenarbeit der drei Länder ausloten. Die Vertreter der drei Länder vermieden es, von einem Kartell nach Vorbild der OPEC zu sprechen.

Der iranische Ölminister Gholam Hossein Nosari sagte, die drei Länder seien übereingekommen, eine Organisation der Gas exportierenden Länder zu bilden. Dies würde die Gründung eines Liefer-Kartells nach Vorbild der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) nahelegen. Die russischen und katarischen Vertreter äußerten sich allerdings zurückhaltender. Gazprom-Chef Miller sagte, das Dreierbündnis solle sich in den Rahmen des Forums der Gas exportierenden Staaten (GECF) einfügen. Dieser lose Zusammenschluss existiert seit 2001 und versammelt weitgehend alle relevanten Gasliefer-Staaten der Welt.

"Nicht mit OPEC vergleichbar"

Das GECF allerdings ist nicht vergleichbar mit der OPEC, die als Kartell funktioniert und deren Entscheidungen für alle Mitgliedsländer bindend sind. Auch der katarische Energieminister Abdallah bin Hamad el Attijah vermied jeden Vergleich mit der OPEC und sprach stattdessen von einer "gemeinsamen Vision". Gegen einen OPEC-ähnlichen Zusammenschluss spricht auch, dass sich die drei Staaten sehr stark unterscheiden. So vertraut der weltgrößte Gaslieferant Russland vor allem auf sein starres Pipeline-Netz. Katar strebt an, weltgrößter Lieferant von Flüssig-Gas (LNG) zu werden, das per Schiff transportiert wird.

Der Iran wiederum muss derzeit sogar Erdgas importieren. Gründe sind der Mangel an Investitionen in die Gaswirtschaft des Landes und eine boomende inländische Nachfrage. Deshalb bezweifeln Experten, dass es auf dem Gasmarkt möglich sein kann, nach dem Modell der OPEC die Fördermenge zu verknappen, um den Preis zu treiben. Außerdem sind die Lieferverträge für Gas in der Regel über lange Zeiträume geschlossen, während sich der Ölpreis ständig ändert. Öl kann theoretisch an jeden Punkt der Erde geliefert werden, bei Gas ist die Infrastruktur für den Transport kostenintensiver, daher sind die Erdgas-Märkte regional konzentriert.

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