E.ON Ruhrgas und Thyssengas

Gas-Branche wegen Reiseaffäre weiter unter Druck

Neben E.ON Ruhrgas stehen jetzt auch dem Essener RWE-Konzern Ermittlungen wegen gesponserter Privatreisen für Lokalpolitiker ins Haus. E.ON Ruhrgas bestreitet indes weiterhin den Vorwurf der "Vorteilsnahme", will aber interne Regeln für Kundenreisen verschärfen.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen (ddp-nrw/sm) - Die Reiseaffäre bei E.ON Ruhrgas weitet sich aus. Jetzt steht auch das RWE-Unternehmen Thyssengas im Verdacht, Privatreisen von Kommunalpolitikern bezahlt zu haben. Wie eine RWE-Sprecherin am Wochenende in Essen sagte, wurden bereits im vergangenen Jahr die Räumlichkeiten von Thyssengas durchsucht. Es bestehe der Verdacht, dass das Unternehmen Stadt- und Kreisräten, die in den Aufsichtsräten kommunaler Energieversorger sitzen, "Luxus-Reisen" bezahlt hat.

Der Sprecherin zufolge will der Konzern eng mit den Strafermittlungsbehörden zusammenarbeiten. Ob und gegen wie viele Beschuldigte von Thyssengas ermittelt werde, sei derzeit noch nicht bekannt. Zudem sei für den RWE-Konzern eine interne Prüfung der gesamten Reisetätigkeit veranlasst worden. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, sei dies ein klarer Verstoß gegen den von RWE herausgegebenen Verhaltenskodex, unterstrich die Sprecherin. Dieses Regelwerk war im Zuge der Gehalts-Affären um die beiden CDU-Politiker Laurenz Meyer und Hermann-Josef Arentz konzernweit eingeführt worden.

Im Rahmen der Ermittlungen gegen Thyssengas wird nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe) auch geprüft, ob der Konzern Stadträten aus Hilden und Remscheid Auslandsreisen finanziert hat. Die Fahrten sollen unter anderem nach Straßburg und Luxemburg geführt haben. Ein Mitglied des Remscheider Stadtrates soll wegen der Reisen seiner Ratskollegen eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Wuppertal eingereicht haben.

Im Zusammenhang mit den von Ruhrgas gesponserten Reisen ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft mittlerweile gegen etwa 150 nordrhein-westfälische Kommunalpolitiker wegen des Verdachts der Vorteilsannahme. Die Politiker sollen als Aufsichtsratsmitglieder von 28 Stadtwerken und kommunalen Energieunternehmen an den Fahrten teilgenommen haben. Ermittelt wird auch gegen mehrere Geschäftsführer dieser Unternehmen und gegen fünf Beschäftigte von Ruhrgas.

In einem Schreiben an seine Stadtwerke-Kunden wies E.ON Ruhrgas derweil die Vorwürfe zurück. Laut der in Essen erscheinenden "Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung" (Samstagausgabe) handelte es sich bei den Reisen primär um "die Besichtigung von Bohrplattformen und Betriebsstätten sowie Vortragsveranstaltungen im In- und Ausland". Der "Verdacht der Vorteilsgewährung" sei deshalb "nicht begründet", hieß es.

Laut einer Vorabmeldung des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" will E.ON Ruhrgas wegen der Affäre interne Regeln verschärfen. So könnte detailliert vorgeschrieben werden, ob Kunden und Politiker eine Eigenbeteiligung an Reisekosten tragen müssen. Bis solche verbindlichen Konzepte verabschiedet sind, würden "sämtliche Kunden-Veranstaltungen dieser Art komplett eingestellt", sagte E.ON-Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann dem Magazin. Unternehmenssprecher Peter Blau sagte der ARD-"Tagesschau" am Samstag, E.ON Ruhrgas habe erkannt, "dass der Vorgang über rein juristische Fragen weit hinausgeht". Die öffentliche Wahrnehmung und die gesellschaftliche Akzeptanz seien von mindestens ebenso großer Bedeutung.

Von Michael Bosse und Michael Wojtek

Das könnte Sie auch interessieren
  • Gasvergleich

    Ausländische Investoren kaufen E.on-Tochter Open Grid Europe

    Die E.on-Tochter Open Grid Europe wurde jetzt für 3,2 Milliarden Euro an ausländische Investoren, vornehmlich um die australische Bank Macquairie, verkauft. Die Veräußerung fand statt im Rahmen der Desinvestitionen, die E.on bis 2015 durchführt, um sein Wachstum zu stabilisieren.

  • Strompreise

    RWE verkauft Thyssengas an australische Bank

    Der Essener Energieversorger RWE hat sein in der Thyssengas zusammengefasstes deutsches Gasfernleitungsnetz veräußert. Käufer ist ein von der australischen Bank Macquarie verwalteter Fonds.

  • Hochspannungsmasten

    Münsterland: 65 000 Menschen warten noch auf Strom

    Der Wintereinbruch hat Teile des Nordwestens Deutschlands am Wochenende in ein heilloses Chaos gestürzt. Vor allem um Osnabrück und im Münsterland ging nichts mehr, viele Haushalte waren zeitweise tagelang ohne Strom. Der Energieversorger RWE Energy arbeitet momentan auf Hochtouren.

  • Hochspannungsleitung

    RWE versorgt Marienfeld während der Papstmessen mit Strom

    Mit "Spannung" versorgt RWE das so genannte Marienfeld bei Kerpen, auf dem Papst Benedikt XVI. am 20./21. August 2005 mit etwa 800 000 Gläubigen die Vigil (Nachtgebet vor katholischen Festtagen) und die Abschlussmesse feiern wird. Der Energieversorger sponsert Strom und Trinkwasser für den Weltjugendtag.

  • Stromnetz Ausbau

    Staatsanwaltschaft ermittelt nicht gegen Laurenz Meyer

    Die Staatsanwaltschaft Dortmund sieht keine Anhaltspunkte, um gegen den früheren CDU-Generalsekretär Meyer in Sachen Bestechlichkeit oder Vorteilsnahme zu ermitteln. Allerdings werde man gegen Verantwortliche der VEW Energie AG Dortmund ein Verfahren wegen des Verdachts der Untreue und der Steuerhinterziehung einleiten.

Top