Veto

Gabriel lehnt längere Laufzeit für Brunsbüttel ab

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat aus Sicherheitsgründen eine Laufzeitverlängerung für das Atomkraftwerk Brunsbüttel abgelehnt. Der Betreiber Vattenfall will gegen Gabriels Veto gerichtlich vorgehen.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Brunsbüttel (ddp/red) - Der Betreiber Vattenfall Europe wollte Strommengen des AKW Krümmel auf den Meiler in Brunsbüttel übertragen. Die Anlage in Brunsbüttel verfüge aber über noch weniger Sicherheitsreserven als Krümmel, teilte das Bundesumweltministerium am Dienstag in Berlin als Begründung mit. Zur Sicherstellung der Energieversorgung im Norden und zum Klimaschutz sei keine Strommengenübertragung erforderlich.

Vattenfall Europe will gerichtliche Schritte gegen die Entscheidung des Bundesumweltministeriums einleiten. Eine bereits laufende Untätigkeitsklage beim Oberverwaltungsgericht Schleswig soll in eine Aufhebungsklage umgewandelt zu werden, kündigte Unternehmenssprecherin Barbara Meyer-Bukow am Dienstag auf ddp-Anfrage an. Sie wies zugleich Kritik am Sicherheitsstandard des Atommeilers zurück. "Brunsbüttel ist ein sicheres Kraftwerk", sagte sie. Dies hätten verschiedenste Analysen bestätigt.

Beide schleswig-holsteinischen Anlagen gehören zum Vattenfall-Konzern. Im Mai 2007 hatte das Unternehmen beantragt, eine Strommenge von 15 Terawattstunden (TWh) auf das AKW Brunsbüttel zu übertragen. Dadurch würde die Laufzeit des Siedewasserreaktors Brunsbüttel um etwa zweieinhalb Jahre verlängert.

Der 1977 in Betrieb genommene Reaktor in Brunsbüttel ist seit dem Sommer 2007 nach einem Kurzschluss und Mängeln vom Netz genommen. Wann das Kraftwerk wieder in Betrieb genommen werden kann, steht noch nicht fest. Auch der im Vergleich zum AKW Brunsbüttel neuere Reaktor in Krümmel ist nach einem Trafobrand und Reparaturarbeiten Ende Juni 2007 weiter vom Netz.

Ende März hatte bereits das Bundesverwaltungsgericht eine weitere Ablehnung durch das Bundesumweltministerium im Fall Brunsbüttel bestätigt. Die Anlagenbetreiber RWE und Vattenfall wollten Reststrommengen des bereits stillgelegten Atomrektors Mülheim-Kärlich auf die AKW Biblis A und Brunsbüttel übertragen.

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