Gefahren des Klimawandels

Gabriel: Klimaschutz nicht wegen Finanzkrise vernachlässigen

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat gefordert, angesichts der Finanzkrise beim Klimaschutz nicht nachzulassen, sondern die Bemühungen im Gegenteil zu forcieren. Klimaforscher Mojib Latif kritisiert indes die Klimapolitik der Bundesregierung als "unglaubwürdig".

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Osnabrück (ddp/sm) - "Wir setzen die Zukunft der kommenden Generationen aufs Spiel, wenn wir wegen der aktuellen Finanzprobleme den Klimaschutz vernachlässigen", sagte Gabriel der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Vielmehr dürfe "keine Zeit mehr verloren" werden: "Auf nationaler und auf europäischer Ebene müssen die Maßnahmenpakete den wachsenden Gefahren des Klimawandels gerecht werden", forderte der Minister. Er warnte davor, das Zustandekommen des EU-Klimaschutzprogramms zu gefährden.

Eine erfolgreiche Klimaschutzpolitik sei "die beste Antwort auf die drohende Wirtschaftskrise", betonte Gabriel. Diese schaffe Wachstumsmärkte und Arbeitsplätze und erhöhe die Energiesicherheit; gleichzeitig würden so die Energiepreise gesenkt und die Abhängigkeit von importierten Energieträgern wie Öl und Gas verringert.

Meteorologe und Klimaforscher Latif, Professor am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel, warf indes Gabriel "eine gewisse Unehrlichkeit in der Klimapolitik" vor. "Wir haben nur eine gefühlte Klimapolitik", sagte Latif der Zeitung. "Aber die Bundesregierung ist auf dem Gebiet überhaupt nicht glaubwürdig, schon gar nicht bei der Senkung des CO2-Ausstoßes." Deutschland sei "der größte Emittent von Kohlendioxid in der gesamten EU". Die Koalition betreibe "Formulierungsakrobatik".

Die Bundesregierung habe "immer noch nicht begriffen, dass wir mit den bisherigen Methoden nicht weiterkommen", sagte Latif. Gabriel sei mit Blick auf den Bau von Kohlekraftwerken "auf dem Holzweg".

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