Vorfälle aufklären

Gabriel gegen rasches Wiederanfahren von AKW Emsland

Das Bundesumweltministerium ist gegen ein baldiges Wiederhochfahren des Atomkraftwerks Emsland in Lingen. In einem Schreiben bittet das Bundesministerium das Landesministerium, den Reaktor erst wieder anzufahren, wenn "keine Bedenken gegen das Wiederanfahren mehr vorliegen".

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Lingen/Berlin (ddp/red) - Die Ursachen, die in der vergangenen Woche zu der Reaktorschnellabschaltung geführt hatten, müssten erst "nachvollziehbar" geklärt werden. Bei Nichtbeachtung behalte man sich eine bundesaufsichtliche Weisung vor, mahnt das Berliner Ministerium in dem Schreiben.

Der Meiler in Lingen war am Freitag wegen eines Trafoschadens vom Netz gegangen. Ursprünglich hatte Betreiber RWE das Kraftwerk schon am Sonntag wieder anfahren wollen. Dies wurde wegen weiterer technischer Prüfungen aber verschoben, das Wiederanfahren soll nun im Laufe dieser Woche erfolgen.

Ursachen für Defekt restlos aufklären

In dem Schreiben verlangt das Bundesumweltministerium "Analysen" des Betreibers zu den Ursachen für den technischen Defekt. Ferner müsse sichergestellt sein, dass keine Reaktorschnellabschaltung ausgelöst werde. Die Vorlagen des Betreibers müssten von Sachverständigen des Landesumweltministeriums geprüft werden.

"Sollte der Betreiber vor dieser Klärung ein Wiederanfahren ankündigen oder vorbereiten, bitte ich das Kritischfahren des Reaktors durch eine sofort vollziehbare und ausreichend begründete aufsichtliche Anordnung zu untersagen", mahnte ein mit der Reaktorsicherheit betrauter Abteilungsleiter in dem Schreiben weiter.

Eine Sprecherin des niedersächsischen Umweltministeriums sagte auf ddp-Anfrage, die Behörde beziehungsweise die Atomaufsicht stehe mit dem Bundesumweltministerium "selbstverständlich" in engem Kontakt und werde dieses auch informieren, wenn der Meiler Emsland wieder ans Netz gehe. Wann dies erfolgen wird, wollte die Sprecherin nicht abschätzen.

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